Text-Bild-Ansicht Band 253

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her, welches dem Berlinerblau beigemischt, dieses klarer und somit lebhafter erscheinen läſst, sondern das entstandene Ferrocyanzinn selbst bildet eine dem Berlinerblau ähnliche Verbindung von noch laicht genügend bekannter Zusammensetzung. Fällt man z.B. eine Lösung von Pinksalz mit gelbem Blutlaugensalze und versucht den bei gewöhnlicher Temperatur rein weiſsen Niederschlag am Filter mit kochendem Wasser zu waschen oder bei höherer Temperatur zu trocknen, so wird derselbe rasch unter Entwickelung von Blausäuregeruch durch die ganze Masse blau. Im Exsiccator getrocknet, schrumpft derselbe zu einer spröden, fast glasigen Masse zusammen, welche ein weiſses Pulver gibt, das sich im Lichte aufbewahrt ebenfalls bald bläut.2) Von der Voraussetzung ausgehend, daſs ein Zinnpräparat wie auf der Faser auch bei der Erzeugung des Berlinerblau selbst für den Farben ton desselben von Vortheil sei, wurden Weiſsblechabfälle mit mäſsig verdünnter Salzsäure gekocht und die von dem Ungelösten abgegossene Lösung mit Salpetersäure oxydirt. Nach starker Verdünnung mit Wasser wurde die Flüssigkeit mit gelbem Blutlaugensalze gefällt, der erhaltene Niederschlag durch längere Zeit mit der sauren Flüssigkeit gekocht, sodann abfiltrirt und nach dem völligen Auswaschen auf flachen Schalen bei höherer Temperatur getrocknet. Das erhaltene Product, mit käuflichen Fabrikaten bester Sorten von Pariserblau verglichen, zeigte, bei fast gleicher Farbenstärke, eine gröſsere Lebhaftigkeit der Farbe, welche mehr dem Smalteblau sich näherte. Es dürfte daher jedenfalls ein kleiner Theil namentlich der an Zinn reicheren Abfälle in der Berlinerblaufabrikation eine Verwerthung finden.

Ueber Anwendung des gasförmigen Chlores als Aetzmittel in der Druckerei; von Albert Scheurer.3)

Schon J. Persoz hat in seinem Handbuche des Baumwolldruckes auf die Möglichkeit des Aetzens von gefärbtem Indigoblau mittels gasförmigen Chlores hingewiesen; dieser Stoff greift den Indigo im trockenen Zustande nur langsam an; in Gegenwart von Wasser hingegen ist die Zerstörung des Farbstoffes eine rasche. Eine neue Reihe von Aetzfarben könnte demnach hervorgebracht werden mit Hilfe einer Einrichtung, welche gestatten würde, das Gewebe unmittelbar nach dem Drucke,

2)

Es sei hier bemerkt, daſs Tessié du Mothay (1870 195 376) sich die Darstellung einer blauen Farbe patentiren lieſs, welche durch mehrtägige Einwirkung des Sonnenlichtes auf den durch Zusammenmischen der Lösungen von 10 Th. wolframsaurem Natron, 8 Th. Zinnsalz, 5 Th. Ferrocyankalium und 1 Th. Eisenchlorid gebildeten Niederschlag entsteht; neben der Bildung von blauem Wolframoxyde hat jedenfalls das geschilderte Verhalten des Ferrocyanzinnes bei der Bildung der Farbe eine Rolle gespielt.

3)

Nach dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhouse, 1884 S. 364.