Text-Bild-Ansicht Band 253

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in noch feuchtem Zustande, einer Atmosphäre von Chlor auszusetzen. So könnte Weiſs auf Küpenblau erzeugt werden durch Aufdruck von bloſsem, auf irgend eine Art verdicktem Wasser; Roth durch Aufdruck eines Aluminiumsalzes, welches nach stattgehabter Einwirkung des Chlores degummirt und in Alizarin ausgefärbt würde. Durch Verbindung der beiden Farben lieſse sich auf Küpenblau Roth-Weiſs erzeugen und würde man endlich in dritter Linie ein Bleisalz, z.B. Bleizucker, aufdrucken, so könnte gleichzeitig auch Gelb erhalten werden, wenn man das gebildete Chlorblei schlieſslich durch Ausfärben in Chromat in chromsaures Blei überführen würde. Das beschriebene Verfahren wäre in Hinsicht auf die Reinheit, in welcher die betreffenden Beizen verbleiben würden, ein empfehlenswerthes.

Weiſsätzung auf Indigoblau mit gleichzeitiger Thonerdebeizung läſst sich in verschiedener Weise ausführen, so z.B.: 1) durch Aufdrucken von stark angesäuerter oxalsaurer Thonerde auf mit Kaliumbichromat vorbereitetes indigoblaues Gewebe; 2) durch Aufdruck eines Gemenges von kaustischem Natron und Natriumaluminat auf mit Ferricyankalium vorbereitetes indigoblaues Gewebe. – Im ersteren Falle bleibt mit der Thonerde eine gewisse Menge Chromoxyd gemengt, welche wegzuschaffen unmöglich ist; im zweiten Falle hält die Thonerde Eisenoxyd zurück, dessen nachherige Entfernung ebenfalls unausführbar ist. Das auf Anwendung von gasförmigem Chlor gegründete Verfahren würde also zweifelsohne gegenüber den beiden genannten Methoden wirkliche Vortheile bieten. Eine wesentliche Bedingung, welche bei jenem sich übrigens noch im Stadium des Laboratoriumsversuches befindlichen Verfahren eingehalten werden muſs, ist die gröſstmöglichste Beschränkung der Zeitdauer der Chloreinwirkung. Zum Zwecke einer raschen Aetzung sollten die Farben in einer an Chlor möglichst reichen Atmosphäre verweilen.

Die Wirkungen, welche fast reines gasförmiges Chlor ausübt, sind folgende. Auf trockenes indigogefärbtes Gewebe: Sehr merkliche Schwächung nach 5 Minuten. Auf getränktes und ausgedrücktes Gewebe: Vollständige Entfärbung in 2 ½ Minuten. Freilich haben die trockenen Stellen nach Verfluſs jener Zeit an Intensität eingebüſst; das Blau ist verblaſst und hat einen grünlichen Ton angenommen.

Die Gegenwart von Salzen ist nicht ohne Einfluſs auf die Schnelligkeit der Entfärbung; die essigsauren Alkalien beschleunigen sie einigermaſsen. Die anderen Metallacetate haben geringe oder keine Einwirkung. Die Mineralsäuren verzögern die Entfärbung.

Aus diesen Versuchen geht hervor, daſs das von J. Persoz vorgeschlagene Verfahren aus dem Grunde keine Verwendung finden könnte, als der Aufenthalt im Chlor wenigstens 2 Minuten dauern müſste und während dieser Zeit auch das trockene Blau einen zu merklichen Angriff erleiden würde.