Text-Bild-Ansicht Band 253

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Folgendes ist ein Mittel, die Dauer der Chloreinwirkung bedeutend zu verringern: Ein mit schwacher Natronlauge getränkter indigoblauer Stoffabschnitt wird in der Chloratmosphäre in 10 Secunden vollständig entfärbt. Am besten eignet sich kaustisches Natron von 16 bis 17° B. In dieser Weise bewirkt man die kräftigste Oxydation, welche man auszuführen im Stande ist; kein Farbstoff widersteht derselben. Das Türkischroth wird in 20 Secunden bis auf Gelb, in 50 Secunden bis auf Weiſs entfärbt. Das Anilinschwarz wird fast augenblicklich zerstört. Ein Gemisch von Anilinöl und Natronlauge, welches man auf Gewebe bringt und der Einwirkung des Chlores aussetzt, gibt auf der Stelle zur Bildung von intensiv schwarzen Chlor haltigen Verbindungen Anlaſs, während die Lösung eines Anilinsalzes unter denselben Umständen einen lebhaften chamoisgelben und sehr widerstandsfähigen Farbstoff erzeugt, welcher durch verlängertes Aussetzen in Chlor nicht zerstört wird. Bringt man hingegen auf diesen Farbstoff einen Tropfen Natronlauge und setzt wiederum dem Chlore aus, so findet an der betreffenden Stelle Entfärbung statt.

Die unterchlorigsauren Salze bringen, selbst im concentrirten Zustande, auf Indigoblau keine rasche Aetzung hervor. Die freie unterchlorige Säure allein wirkt in Gegenwart von Natron in ähnlicher Weise wie das Chlor. Diese Säure kann sich jedoch in den beschriebenen Reactionen nicht in freiem Zustande entwickeln, da ja freies Alkali vorhanden. In der That zeigen die durch Chlor in Gegenwart von Natron entfärbten Küpenblauabschnitte nach der Zerstörung des Farbstoffes noch stark alkalische Reaction. Das zerstörende Mittel, welches ins Spiel tritt, ist wahrscheinlich Sauerstoff oder Hydroxyl OH, gebildet bei der Umwandlung von kaustischem Natron in Chlornatrium: 2NaOH + 2Cl = 2NaCl + 2OH bezieh. 2OH = H2O + O.

Durch das beschriebene Verfahren kann Aetzung von Küpenblau mit gleichzeitiger Thonerdebeizung ausgeführt werden, wenn man das Natron, gemischt mit Thonerdenatron, anwendet, Chromgelbätzung läſst sich jedoch nur auf Umwegen hervorbringen. Bleioxydnatron gibt nämlich unter dem Einflüsse des Chlores braunes Bleisuperoxyd, welches ziemlich schwer in Bleichromat verwandelt werden kann. Fügt man hingegen zum Bleioxydnatron eine gewisse Menge eines Chromoxydsalzes, welches sich im ersteren löst und setzt dann der Einwirkung des Chlores aus, so entsteht auf der Stelle Bleichromat, welches innig mit der Faser verbunden bleibt. Unter denselben Umständen gibt Chromoxyd, in Natron gelöst, chromsaures Natron. Die letztere Reaction ähnelt der bekannten Umwandlung von Chromoxyd in chromsauren Kalk unter dem Einflüsse des Chlorkalkes; aber sie weicht in so fern von letzterer ab, als das bei derselben ins Spiel tretende oxydirende Mittel ungleich heftiger wirkt und höchst wahrscheinlicher Weise nicht aus einem Hypochlorit besteht.

Bromdämpfe geben in derselben Weise zur Aetzung Anlaſs wie