Text-Bild-Ansicht Band 253

Bild:
<< vorherige Seite

gasförmiges Chlor; mit Joddämpfen hingegen gelangt man nur zu einer theilweisen Entfärbung.

[Kleinere Mittheilungen.]

Ueber die zweckmäſsige Länge der Eisenbahnschienen.

Durch das fortwährende Anwachsen des Verkehres auf den Eisenbahnen werden an die Betriebsmaterialien Ansprüche gestellt, welche zu einer stetigen Vervollkommnung derselben unabweislich drängen. Um so auffallender ist es, daſs in einzelnen sich überall gleich bleibenden wichtigen Angelegenheiten, z.B. für die Construction des Oberbaues, einheitliche Normen noch nicht aufgestellt sind und daſs selbst in der Länge der Schienen die gröſsten Verschiedenheiten vorkommen.

Im Allgemeinen sind freilich im Laufe der Jahre entsprechend der stetig fortschreitenden Vervollkommnung der Fabrikation die durchschnittlichen Schienenlängen immer gröſser geworden. Bei der ersten Verwendung gewalzter Schienen hatten dieselben eine Länge von 12 Fuſs engl. (gleich 3m,66) und war dies auch die Länge für die Schienen der ersten in Deutschland gebauten Eisenbahnen. Diese Länge wurde aber im Laufe der Jahre stetig erhöht, jedesmal um einen Schwellenabstand, auf 18,15 und 21 Fuſs engl. und ist letzteres Maſs bezieh. bei Einführung des Metermaſses auf 6m,6 abgerundet lange Zeit hindurch die Normallänge für die Schienen auf vielen deutschen Eisenbahnen gewesen.

Noch auf der im J. 1868 in München abgehaltenen Versammlung von Eisenbahntechnikern wurde eine Schienenlänge von 6,5 bis 7m zur Anwendung empfohlen. Dieser Beschluſs bezog sich auf Schienen aus Schweiſseisen, bei welchen allerdings eine gröſsere Länge, der Schwierigkeiten in der Packetirung groſser Blöcke wegen, meistens nur auf Kosten der Gleichförmigkeit des Materials zu erlangen war. Zudem wachs der Materialverlust beim Auftreten eines hieraus etwa entspringenden Fehlers an einer kleinen Stelle, während sonst die Schiene noch ganz brauchbar war, mit der Länge derselben.

Ganz anders gestaltete sich die Sache beim Auftreten der Stahlschienen, welche in weit gröſseren Längen von genügend gleichmäſsiger Beschaffenheit hergestellt werden können. Bei den Berathungen der technischen Commission des deutschen Eisenbahnvereins im J. 1876 standen schon mehrjährige Erfahrungen über Herstellung und Anwendung der Guſsstahlschienen zu Gebote und veranlaſsten, den Beschluſs über die Länge der Schienen folgendermaſsen zu fassen: Die Schienen sollen aus gewalztem Eisen oder Stahl bestehen und in der Regel in Längen von nicht weniger als 6m verwendet werden. Diese Fassung ist seither beibehalten worden und damit also eine Empfehlung gröſserer Schienenlängen ausgesprochen.

Die Vorzüge längerer Schienen bestehen aber im Wesentlichen in der Verminderung der Anzahl der Stoſsverbindungen, wodurch nicht nur die Anlagekosten des Oberbaues bedeutend herabgesetzt werden, sondern auch die beim Ueberschreiten der Räder über die nothwendige Unterbrechung an den Stöſsen auftretenden, für die Erhaltung des Oberbaues und des rollenden Materials so nachtheiligen Erschütterungen minder häufig sich wiederholen, so daſs eine längere Dauer des Geleises und der Fahrzeuge bei geringeren Unterhaltungskosten die Folge sein wird. Auſserdem aber wird durch längere und schwerere Schienen sowohl bei der Anlage eine gröſsere Genauigkeit des Geleises auf gerader Strecke, insbesondere aber in den Curven erreicht, als auch eine bessere Erhaltung der Lage des Geleises gewährleistet, schon deshalb, weil die stets den schwachen Punkt der Geleise bildenden Stoſsverbindungen in geringerer Zahl vorkommen.

Andererseits setzen sich einer beliebigen Vergröſserung der Schienenlänge verschiedene Bedenken entgegen. Allerdings sind mit der Verwendung von Guſsstahl die Fabrikationsschwierigkeiten derart überwunden, daſs die meisten Werke Schienen von 12m und noch mehr Länge ohne Anstand herstellen können, während für Schweiſseisenschienen 7m ziemlich die Grenze ist, über welche hinaus für eine genügende Gleichförmigkeit des Materials keine Bürgschaft übernommen werden kann; doch ist die Herstellung von 9 oder 10m