Text-Bild-Ansicht Band 253

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durch Dampf betrieben. Die ersteren haben je nach ihrer Gröſse 150 bis 200 Pferde an Bord, welche in den unteren Schiffräumen untergebracht sind. Auf dem Verdecke befinden sich eine Anzahl Göpel, an deren jedem je 8 auch 10 Pferde arbeiten. Dieselben werden alle 3 Stunden ausgewechselt, was ohne Unterbrechung des Betriebes geschehen kann, indem jedesmal nur 1 Göpel ausgeschaltet wird. Alle Göpel übertragen ihre Arbeit durch eine geeignete Transmission auf eine Windetrommel, auf welcher sich das Betriebsseil aufwickelt; letzteres ist im Gegensatze zu dem bei uns üblichen Tauereibetriebe nur von beschränkter Länge (nach unserer Quelle ohne nähere Angabe 1 Meile) und etwa 125mm dick. Jeder Schlepper führt zwei solcher Seile mit sich. Während er sich an einem derselben bergauf zieht, nimmt ein kleiner Hilfsdampfer das vorhin aufgewundene Seil an Bord, fährt mit demselben voraus und verankert es eine Meile oberhalb des augenblicklich benutzten, so daſs der Schlepper dasselbe nach Ablauf des ersten ohne Fahrtunterbrechung aufnehmen kann. Alsdann nimmt der Dampfer das erste Seil in Empfang und legt es wieder eine Meile oberhalb des zweiten aus u.s.f. Genau so erfolgt der Betrieb mit Dampfschleppern. Dieselben besitzen Condensationsmaschinen von etwa 100e, welche eine zu beiden Seiten über das Deck hinausreichende Achse betreiben; auf letzterer befinden sich die Windetrommeln. Bei der Thalfahrt dagegen werden auf die über Bord stehenden Enden der Achse Schaufelräder aufgesetzt, um die Fahrt zu beschleunigen.

Die Schlepper ersterer Art befördern Schiffszüge von 12 und mehr Schiffen, welche zu je 2 und 3 dicht hinter einander gehängt werden und eine Ladung von 16380t führen. Dabei machen sie während der Monate Mai, Juni und Juli im günstigsten Falle zwei Reisen von Astrachan und der Kama-Mündung bis nach Nischny-Nowgorod zur Messe. Auſser dieser Zeit fehlt es an Fracht. Die für den Betrieb nöthigen Pferde werden am Abfahrtsorte angekauft und nach vollbrachter Bergfahrt verkauft, während der Schlepper durch den Ankerdampfer zu Thal geschleppt wird.

Die Dampfschleppschiffe befördern noch gröſsere Schiffszüge und fahren schneller, so daſs der Ankerdampfer kaum Zeit findet, die Seile auszulegen. Dennoch scheint sich auch der Betrieb mit Pferden unter den in jenen Gegenden obwaltenden Verhältnissen den Dampfern gegenüber immer noch zu halten.

Glühlampen für ein und dieselbe Spannung.

In der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1884 S. 318 wird von C. Fink hervorgehoben, daſs die vorjährige Wiener Ausstellung in so fern einen bedeutsamen Fortschritt in der Construction der Glühlampen aufgewiesen habe, als nach dem Vorgange von Siemens und Halske in Berlin (vgl. 1883 249 41) die Glühlampen von fast allen Fabrikanten auf die nämliche Spannung berechnet und für dieselbe hergestellt wurden. Bis dahin wählte jeder Fabrikant von Glühlichtern für seine Lampen die ihm gerade geeignet erscheinenden Abmessungen; daher gab es eben so viele „Systeme“. Wegen der von den verschiedenen Fabrikanten für ihre Lampen gewählten verschiedenen Spannungen konnte man daher z.B. mit Maschinen, welche für Edison'sche, Lampen gebaut waren, keines der übrigen Lampen-„Systeme“ betreiben, nicht einmal Lampen verschiedener Lichtstärken desselben Fabrikanten anwenden. Die Edison-A-Lampen waren z.B. für 104 Volt und 0,74 Ampére, die B-Lampen (mit halb so langen Kohlenfasern) für 52 Volt und 0,74 Ampére eingerichtet. Swan hatte seine Lampen für 45 Volt und 1,4 Ampére bemessen, Lane Fox zu 42 Volt und 1,6 Ampére, Maxim zu 60 Volt und 1,4 Ampére u.s.w. Das Bestreben, die Accumulatoren möglichst in Aufnahme zu bringen, führte sogar schlieſslich dahin, Lampen für ganz geringe Spannungen anzufertigen. Alle von Siemens und Halske neuerdings hergestellten Glühlampen von der kleinsten bis zur gröſsten sind für 100 Volt Spannung bemessen; die Unterschiede in der Lichtstärke werden durch den geringeren oder gröſseren Querschnitt der Kohlenfaser erreicht. Lampen gröſserer Lichtstärken verbrauchen somit allerdings eine entsprechend gröſsere Strommenge als solche von geringerer Lichtstärke; aber alle brennen in ein und demselben Stromkreise, eine kann für die andere ohne weiteres eingesetzt