Text-Bild-Ansicht Band 253

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die Synthese des letzteren der Verwirklichung um einen Schritt näher geführt. Es bedarf nunmehr nur noch der Umwandlung des Pyridins in das Orthopropylpyridin (Conyrin). Man kann nicht daran zweifeln, daſs dieselbe auf dem Wege gelingen wird, welcher mit Erfolg bei der Alkylirung des Anilins eingeschlagen worden ist. Bei der Einwirkung der Alkyljodide auf das Anilin oder, was dasselbe ist, des Alkohols auf die Chlorhydrate, bei sehr hohen Temperaturen, hat Hofmann eine groſse Reihe höherer Homologe des Anilins gewonnen. Die Alkylirung vollzieht sich in dem Falle so leicht, daſs der Prozeſs bereits eine umfassende industrielle Verwerthung gefunden hat. Indem Ladenburg a. a. O. 1883 S. 2059 diese in der Anilinreihe erprobte Methode auf das Pyridin anwendete, ist es ihm gelungen, höhere Homologe dieser Base zu gewinnen. Bis jetzt hat er nur das Aethylpyridin beschrieben; es läſst sich jedoch nicht bezweifeln, daſs sich auf demselben Wege auch die Propylpyridine werden gewinnen lassen. Allein die Synthese des Coniins wird sich vielleicht noch einfacher durch die Einwirkung des Propyljodids bei hoher Temperatur auf das Piperidin bewerkstelligen lassen.

Zur Kenntniſs des Chlorophyll-Farbstoffes.

A. B. Griffiths (Chemical News, 1884 Bd. 49 S. 237) hält das Chlorophyll für eine Verbindung von Eisen mit einem Glykoside. Das Eisen des Eisensulfates vereinigt sich mit dem farblosen Bestandtheile des Chlorophylles zu grünem Farbstoff und der Schwefel dient dem Protoplasma zur Nahrung.

Zur Kenntniſs englischer und schottischer Theerxylole.

Bei der Oxydation eines Gemenges der 3-isomeren Xylole mit verdünnter Salpetersäure werden nur das Para- und Orthoxylol in die entsprechenden Toluylsäuren verwandelt, Metaxylol wird nicht angegriffen. Beim Schütteln mit concentrirter Schwefelsäure bilden nur Meta- und Orthoxylol Sulfosäuren, Paraxylol wird nicht angegriffen. J. Löwinstein (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1884 S. 444) hat nun 100cc des zu untersuchenden Xylols in einem Kolben mit 40cc Salpetersäure von 1,4 sp. G. und 60cc Wasser ½ bis 1 Stunde unter Umschütteln gekocht; das beste Kennzeichen, daſs die Zerstörung des Para- und Orthoxylols vollendet ist, erblickt man darin, daſs keine rothen Dämpfe mehr entweichen. Die Säure wird durch einen Scheidetrichter abgelassen, der Kohlenwasserstoff mit Natronlauge gewaschen und mit Dampf übergetrieben. Das Destillat besteht aus Metaxylol und Fettkohlenwasserstoffen. Es ward gemessen und mit 1,5 Raumtheilen concentrirter Schwefelsäure etwa 30 Minuten lang geschüttelt, wodurch Metaxylol in eine Sulfosäure verwandelt wird; die Fettkohlenwasserstoffe bleiben ungelöst.

Zur Bestimmung des Paraxylols werden 100cc des Rohxylols mit 120cc concentrirter Schwefelsäure ½ Stunde geschüttelt, dadurch Ortho- und Metaxylol gelöst. Die Schwefelsäure wird entfernt, das gemessene Gemisch von Paraxylol und Fettkohlenwasserstoffen mit gleichen Raumtheilen rauchender Schwefelsäure von 20 Proc. Anhydridgehalt behandelt; Paraxylol wird gelöst, die Fettkohlenwasserstoffe nicht. Das Orthoxylol ergibt sich schlieſslich aus der Differenz gegen 100. Toluol, Aethylbenzol, Cumol u. dgl. sind gegen Salpetersäure und Schwefelsäure zwar auch nicht widerstandsfähig, der Siedepunkt der Rohnaphta gibt indessen immer schon einen guten Anhaltspunkt, ob Toluol zugegen ist. Um ganz sicher zu gehen, ist es indessen räthlich, die Sulfosäuren des Ortho- und Metaxylols in ihre Natronsalze zu verwandeln und dieselben durch Krystallisation zu trennen. Das Orthosalz krystallisirt nach Jacobsen zuerst in groſsen Prismen, während das Metasalz leicht lösliche, mikroskopische Schuppen bildet, so daſs eine Trennung sehr leicht ist.

Wünscht man reines Paraxylol zu erhalten und scheut den Umweg durch die Sulfosäure, so ist folgende Methode sehr geeignet: Das obige Gemisch von Paraffinen und Paraxylol wird mit Dampf destillirt; die erst übergehenden Antheile bestehen aus fast reinem Paraxylol. Man bringt diese in einem Kältegemische zum Erstarren, saugt ab und destillirt die Krystalle. Das unter 138° Uebergehende ist reines Paraxylol.

In obiger Weise untersuchte Theerxylole ergaben folgende Resultate: