Text-Bild-Ansicht Band 253

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so oft in gleicher Weise mit angesäuertem Wasser gewaschen, bis die Flüssigkeit nur mehr schwach gelb war. Dann wurde der Rückstand auf Tüchern gesammelt, scharf ausgepreſst, zerrieben und an der Luft trocknen gelassen. Man erhält auf diese Weise 2 bis 4k eines bräunlichgelben Pulvers, welches sich in so fern von dem direkt aus Gelbholz erhaltenen Rohmorin unterscheidet, als es sehr beträchtliche Mengen einer braun gefärbten amorphen Substanz enthält, welche sich offenbar beim Eindampfen des Extractes durch Oxydation eines seiner Bestandtheile gebildet hat. Zur Entfernung dieser Verunreinigung löst man das Rohmorin in Alkohol, filtrirt und setzt zur heiſsen Flüssigkeit 0,1 Volumen heiſses Wasser zu. Nach dem Erkalten wird das auskrystallisirte, reine Morin abfiltrirt, das Filtrat am Rückfluſskühler zum Sieden gebracht und neuerdings mit einer geringen Menge siedenden Wassers vermischt und krystallisiren gelassen. Dieses Verfahren wird so oft wiederholt, bis der letzte Zusatz von heiſsem Wasser keine Ausscheidung mehr hervorruft; fügt man dann noch mehr Wasser hinzu, so beginnt die Ausscheidung amorpher Massen, ein Zeichen, daſs kein Morin mehr gewonnen werden kann. Die verschiedenen Krystallisationen werden vereinigt, nochmals in Alkohol gelöst und durch Zusatz von siedenden Wasser zum Auskrystallisiren gebracht.

Beim Schmelzen mit Aetzkali bildet das Morin, dessen Analyse zur Formel C13H8O6 führt, Phloroglucin und Resorcin. Die Nachweisung des Resorcins beruht auf der Bildung von Diazoresorufin: Man trägt in concentrirte Schwefelsäure, welche sich zweckmäſsig in einem Porzellanschälchen befindet, unter Umrühren etwas fein zerriebenes Natriumnitrit und sodann eine geringe Menge der zu prüfenden Substanz ein, erwärmt kurze Zeit auf dem Wasserbade, gieſst in Wasser ein und übersättigt mit Ammoniak. Schüttelt man einen Theil der meist fluorescirenden Flüssigkeit mit Amylalkohol aus, so färbt sich dieser rein carmoisinroth, mit prachtvoller zinnoberrother Fluorescenz.

Aus den mitgetheilten Versuchen ergibt sich, daſs die beiden krystallisirbaren Bestandtheile des Gelbholzes analog zusammengesetzt sind, da sich beide durch einfache Reactionen in Phloroglucin und eine Säure von der Formel C7H6O4 zerlegen lassen, indem Maclurin Protocatechusäure und Morin β-Resorcylsäure liefert. Maclurin und Morin sind wahrscheinlich isomer; denn es spricht Vieles dafür, daſs auch dem Maclurin diese Wasserstoff ärmere Formel C13H8O6 und nicht C13H10O6 zukomme.

Ueber Chinovin.

C. Liebermann (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1884 S. 868) hat eine Anzahl Chinovinverbindungen hergestellt und untersucht. Fernere Versuche ergaben, daſs nur die Cuprearinde β-Chinovin enthält; 3k dieser Rinde lieferten 5g reines β-Chinovin. Der Gehalt der verschiedenen Rinden an Chinovin schwankt beträchtlich; so ergaben je 12k Rinden folgende Mengen α-Chinovin:

Rohchinovin Reines Chinovin
China succinirubra 50g 7g
China officinalis 100 13
China Pitayo 75 16

Zur Nachweisung von Wasserstoffsuperoxyd.

M. Traube (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1884 S. 1062) hat gefunden, daſs die Jodreaction auf Wasserstoffsuperoxyd auch in sehr sauren Lösungen nichts von ihrer Empfindlichkeit einbüſst, wenn eine geringe Menge Kupfervitriol zugegen ist. Fügt man zu 6 bis 8cc einer auch nur Spuren von Wasserstoffhyperoxyd haltenden Lösung etwas Schwefelsäure und Jodzinkstärke, dann 1 bis höchstens 4 Tropfen einer 2procentigen Lösung von Kupfersulfat und zuletzt etwas ½procentige Eisenvitriollösung, so tritt sofort oder nach einigen Secunden Bläuung ein.