Text-Bild-Ansicht Band 253

Bild:
<< vorherige Seite

Inhalt gemessen wurde, in jenem Räume aus, dessen Luft auf ihren Kohlensäuregehalt geprüft werden soll, und verschlieſst den Hals der Flasche mit einem Kautschuckstopfen. Alsdann läſst man so viel der mit Phenolphtaleïn gefärbten Flüssigkeit hinzuflieſsen, als dem Normalkohlensäuregehalte der Luft entspricht, und schüttelt. Ist der Kohlensäuregehalt irgend ein bedeutender, so erfolgt die Entfärbung in 1 bis 2 Minuten. Man läſst noch einmal so viel Flüssigkeit nachflieſsen und schüttelt gelinde 2 Minuten. Erfolgt eine Entfärbung, so ist der Kohlensäuregehalt der Luft mehr als doppelt so groſs als wie der normale; man setzt dies so lange fort, bis nach mindestens 3 Minuten Schütteln die Flüssigkeit noch deutlich roth bleibt. In einer zweiten Luftmenge kann nach dieser Vorermittelung durch cubikcentimeterweisen Zusatz der Absorptionsflüssigkeit der Kohlensäuregehalt nöthigenfalls noch genauer ermittelt werden.

Wesentlich denselben Vorschlag macht R. Blochmann a. a. O. S. 1017.

Gewinnung von Ammoniumsulfaten und Salzsäure.

Wenn Chlorammonium zur Gewinnung von Salzsäure in derselben Weise wie Chlornatrium mit äquivalenten Mengen Schwefelsäure erhitzt wird, so findet dabei nach L. Mond in Northwich, England (D. R. P. Kl. 75 Nr. 28063 vom 7. November 1883) nur eine theilweise Austreibung der Salzsäure statt und es bleibt ein saurer Rückstand zurück, der noch Chlorammonium enthält und aus welchem bei stärkerem Erhitzen Chlorammoniumdämpfe entweichen. Um alle Salzsäure aus dem Chlorammonium und andererseits aus dem. Rückstande neutrales schwefelsaures Ammoniak zu erhalten, verfährt Mond folgender maſsen: Das Chlorammonium wird mit einem Ueberschusse (nahezu 2 Aeq.) von Schwefelsäure versetzt und erhitzt, bis alle Salzsäure ausgetrieben ist. Der flüssige Rückstand besteht aus saurem schwefelsaurem Ammoniak. Dasselbe wird der Operationspfanne entzogen und nach dem Erhärten in Stücke gebrochen. Zum Zwecke der Ueberführung in neutrales Salz wird das saure Salz der Einwirkung von ammoniakalischen Gasen ausgesetzt, wie solche z.B. durch Destillation von Gaswasser oder anderen ammoniakalischen Flüssigkeiten erhalten werden. Diese Arbeit wird am besten in einer Reihe von Kammern ausgeführt, welche so mit einander verbunden sind, daſs ein methodischer Betrieb möglich ist. Man kann auch die ammoniakalischen Gase direkt auf das geschmolzene saure schwefelsaure Ammoniak einwirken lassen, oder die Neutralisation vornehmen durch Versetzen des sauren Salzes mit einer Lösung von Ammoniak, kohlensaurem Ammoniak und dergleichen leicht zersetzlichen Ammoniaksalzen.

Verfahren zur Gewinnung von Schwefelwasserstoff.

Nach H. v. Miller und C. Opl in Hruschau, Schlesien (D. R. P. Kl. 12 Nr. 28067 vom 26. Januar 1884) werden die im Wasser suspendirten Sodarückstände mit Kohlensäure oder Schwefelwasserstoff behandelt, oder aber mit Wasser unter einem Drucke von 5at erhitzt. Die so erhaltene Lauge von Calciumsulfhydrat, welche den sämmtlichen, in Form von Sulfiden in den Sodarückständen vorhandenen Schwefel enthält, soll nun in Kalkhydrat und Schwefelwasserstoff zerlegt werden. Erhitzt man nämlich die Lauge in einem geschlossenen eisernen Kessel o. dgl., welcher passend mit einem Rührwerke versehen wird, mittels direkter Feuerung oder hochgespannten Dampfes zum Kochen, so scheidet sich Kalkhydrat in Form eines feinkörnig kristallinischen Pulvers ab, während der Schwefelwasserstoff durch eine Rohrleitung entweicht; durch passende Condensationsvorrichtungen wird derselbe von Wasserdampf befreit und dann vollständig rein in einen Gasometer geleitet, um von dort aus seiner weiteren Verwendung zugeführt zu werden. Der gefällte Kalk wird durch Filterpressen von der Lauge getrennt und letztere wieder in den Kessel zurückgegeben. Das so gewonnene Kalkhydrat ist vollkommen rein und dadurch zu den verschiedensten technischen Zwecken verwendbar.

Ehe der Schwefelwasserstoff in den Gasometer eintritt, läſst man ersteren noch durch ein anderes Gefäſs streichen, in welchem sich frische Sodarückstände in Wasser aufgenommen befinden. Hier wird die Hälfte des täglich erzeugten