Text-Bild-Ansicht Band 253

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Reaction auf Benzidin.

Als nach P. Julius (Monatshefte für Chemie, 1884 S. 193) eine heiſs gesättigte Lösung von Benzidin mit einer Lösung von Kaliumbichromat versetzt wurde, entstand sofort ein sehr voluminöser, tiefblauer, aus verfilzten Nadeln bestehender Niederschlag der Verbindung C12H8(NH2)2H2CrO4, welcher in allen gebräuchlichen Lösungsmitteln unlöslich ist.

Bemerkenswerth ist die aufs er ordentliche Empfindlichkeit dieser Reaction. 0g,0286 Benzidin wurden in 300cc Wasser gelöst und gaben in dieser Verdünnung, mit einer concentrirten Kaliumbichromatlösung versetzt, einen so kräftigen Niederschlag, daſs die Flüssigkeit undurchsichtig erschien; selbst in einer Lösung von 0g,0220 Benzidin in 1l Wasser (also 1 : 50000) entstand noch ein deutlicher Niederschlag, wenn man die Flüssigkeit vorher erwärmte.

Das mit dem Benzidin isomere Diphenylin gibt selbst in der auſserordentlich verdünnten Lösung, welche durch Kochen desselben mit Wasser erhältlich ist, dieselbe Reaction.

Zur Kenntniſs des Steinkohlentheeres.

Nach Versuchen von E. Nölting (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1884 S. 385) enthält das über 300° siedende Steinkohlentheeröl wahrscheinlich die Phenole des Anthracens und Phenanthrens, sicher aber auſserdem noch eine groſse Anzahl anderer phenolartiger Verbindungen.

K. E. Schulze (daselbst 1884 S. 1203) erhielt durch Fractioniren der zwischen 200 und 300° siedenden Antheile des Steinkohlentheeres, nach vorheriger Entfernung der Phenole, Amine u. dgl., ein wesentlich zwischen 245 und 255° siedendes Oel, welches beim Abkühlen auf – 15° erstarrte. Nach dem Auspressen bestand die Masse wesentlich aus β-Methylnaphtalin. War im Theeröle wirklich Diphenyl vorhanden, so muſste es in so geringer Menge vorkommen, daſs es von den bei nahe liegenden Temperaturen siedenden Oelen in Lösung gehalten wurde. Diese Oele bestehen im Wesentlichen aus Mono- und Dimethylnaphtalin. Da das Naphtalin und seine Homologen beim Schütteln mit Schwefelsäure mit Leichtigkeit in Sulfosäuren übergehen, so wurde die erwähnte Fraction mit etwa 75 Vol.-Proc. Schwefelsäure bei einer Temperatur von etwa 40 bis 50° behandelt. Die Oele gingen in Form von Sulfosäuren in Lösung und der noch flüssige Rückstand zeigte den charakteristischen Geruch des Diphenyles, welches durch Abkühlen, Absaugen, Pressen und Umkrystallisiren aus Alkohol leicht rein erhalten werden konnte. Später fand sich auch in der von 242 bis 245° übergehenden Fraction noch Diphenyl. Nach gründlicher Behandlung mit Schwefelsäure erstarrte das rückbleibende Oel schon in der Wärme und ein einfaches Abpressen genügte, um den Schmelzpunkt des Productes auf 680 zu bringen. Einmaliges Umkrystallisiren aus Alkohol lieferte das Diphenyl, C12H10, rein. Auch die Homologen des Diphenyles scheinen im Theere vorhanden zu sein.

Ueber die färbenden Eigenschaften des Anthragallols.

Im Journal of the Society of Chemical Industry, 1884 S. 140 hebt R. Bourcart den Farbstoffcharakter des Anthragallols hervor. Dasselbe wird durch Erhitzen von Gallussäure und Benzoesäure oder von Pyrogallussäure und Phtalsäureanhydrid mit Schwefelsäure erhalten und ist ein Trioxyanthrachinon: C14H8O5. Während jedoch die drei industriell verwendeten Purpurine, Krapppurpurin, Anthrapurpurin und Flavopurpurin, mit Thonerdebeizen Roth liefern, erzeugt das Anthragallol damit ein lebhaftes Braun. Concentrirte Eisenbeize färbt sich mit Anthragallol schwarz an, gemischte Eisen-Thonerdebeize flohfarben. Diese Farben sind von derselben Seifen- und Chlorbeständigkeit wie Alizarinfarben und würden in der Druckerei eine nützliche Anwendung finden, wenn nicht der zu hohe Herstellungspreis des Anthragallols hindernd in den Weg träte.