Text-Bild-Ansicht Band 253

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Nach etwa 15 Minuten saugt man die Benzinlösung in einen folgenden, mit frischem Samen gefüllten Apparat II. Zu diesem Zwecke wird der Hahn s dieses Apparates mit einem Behälter verbunden, in welchem die Luft vorher verdünnt worden ist, und ebenso der Hahn r des Apparates I durch ein Metallrohr mit luftdichter Flanschenverbindung mit dem Rohre z des Apparates II. Nun werden die beiden Hähne s und t von l geöffnet und man läſst die Luftverdünnung wirken. Das flüssige Gemenge von Oel und Benzin tritt aus dem Apparate I nach II über, wo man wieder durch ¼ Stunde die Einsaugung und Diffusion sich vollziehen läſst. In I wird von Neuem Benzin aufgefüllt, welches wieder durch 15 Minuten mit den zermahlenen Samen in Berührung bleibt. Unterdessen ist ein dritter Apparat mit zermahlenen Samen gefüllt worden, in welchen man dann das schon viel Oel enthaltende Gemenge von Oel und Benzin übertreten läſst. Wenn II dadurch geleert ist, läſst man wieder die Flüssigkeit aus I dahin übertreten. Auf diese Weise geht es fort zu einem 4., 5., 6. Apparate, bis man in Folge der in jedem derselben wirkenden Diffusion reines oder beinahe reines Oel erhält, d.h. solches, welchem kein Benzin mehr beigemengt ist. Man soll dieses Ergebniſs mittels einer Batterie von 10 Diffuseuren erreichen.

Sind die Samen im ersten Apparate völlig entölt, so wird der Hahn r desselben mit einem Kühler verbunden und der Hahn s mit einem metallenen Schlangenrohre, welches in einem heiſsen Oel- oder Chlorcalciumbade liegt. Durch diese Schlange läſst man die Dämpfe einer kleinen Menge Benzin treten, welches in einer Destillationsblase abdestillirt wird. Beim Durchstreichen durch das Schlangenrohr erhitzen sich diese Dämpfe bis auf 120 oder 130° und treten dann in diesem Zustande zu den mit flüssigem Benzin getränkten Samen. Der erstere Theil der Dämpfe wird condensirt und erhitzt dabei die ganze Masse. Ist dieselbe durch die überhitzten Dämpfe genügend erwärmt, so wird das die Samenmasse durchtränkende Benzin flüchtig und entweicht durch den Hahn r, um sich in dem vorgelegten Kühler wieder niederzuschlagen und von dort in den allgemeinen Sammelbehälter abzuflieſsen. Erkennt man an einem vorhandenen Thermometer, daſs die Temperatur in einem Apparate über den Siedepunkt des in Verwendung stehenden Benzins steigt, so kann man annehmen, daſs alles Benzin, welches die Samenmasse durchtränkte, verflüchtigt ist. Der Strom überhitzter Benzindämpfe wird nun abgeschnitten und man entnimmt die Samenmasse dem betreffenden Kessel in Form eines vollkommen trockenen Mehles. Will man alle Spuren von Benzin aus diesem Mehle entfernen, so braucht man nur einen Strom trockenen Wasserdampfes hindurchtreten zu lassen.

Nach O. Korschelt in Dresden (* D. R. P. Nr. 27321 vom 4. September 1883) ist beim gewöhnlichen Verfahren zur Verseifung von Fetten durch überhitzten Wasserdampf die Temperatur genau zwischen 310 und 315° zu halten. Bei höherer Temperatur wird Glycerin zersetzt, bei niedererer