Text-Bild-Ansicht Band 253

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geht die Zerlegung des Fettes zu langsam vor sich. Die Temperatur kann aber zwischen weiteren Grenzen schwanken, wenn das Fett fein vertheilt dem Dampfe ausgesetzt wird.

Das zu zersetzende Fett wird zu diesem Zwecke in einem Behälter A (Fig. 3 und 5 Taf. 30) auf 100° erwärmt und geht von da in ein schmiedeisernes Rohr a, welches mit vielen Windungen in einem Metallbade B liegt. Letzteres besteht aus einem starken Eisenbehälter, in welchem Blei oder auch eine Blei-Zinnlegirung (am besten eine bei 290° schmelzende Legirung von 100 Th. Blei mit 6 oder 4 Th. Zinn) in geschmolzenem Zustande oder in einer nur wenig über den Schmelzpunkt hinausgehenden Temperatur erhalten wird. Das Oel tritt mit ungefähr 300° aus dem Metallbade aus und gelangt in den Thurm C, in welchem die Zersetzung vor sich geht. Dieser Thurm ist aus Blechen oder guſseisernen Platten zusammengesetzt, unter Belassung einer isolirenden Luftschicht mit Mauerwerk umgeben und mit auf Rosten e liegenden gebrannten Thonkugeln u. dgl. angefüllt. Das heiſse Oel wird entweder bei entsprechender Höhenlage des Behälters A durch eigenen Druck oder mittels einer zwischen diesem Behälter und dem Metallbade B eingeschalteten Pumpe durch das im Inneren des Thurmes aufsteigende Rohr a in die Höhe gedrückt und flieſst durch das nach der Mitte des Thurmes und nach unten umgebogene Ende dieses Rohres auf einen Vertheiler n aus. Dieser besteht aus einer mit Rand versehenen durchlöcherten Platte von etwas kleinerem Durchmesser als derjenige des Thurmes, so daſs zwischen den Wandungen des letzteren und dem Rande der Platte noch einige Centimeter freier Raum bleibt. Behufs gleichmäſsiger Vertheilung des Oeles sind entweder in die Löcher der Platte kurze, nach unten und oben sich trichterartig erweiternde Röhrchen eingesetzt, oder die Platte wird mit einer Schicht von kleineren Ziegelbrocken und darauf mit mehreren Schichten allmählich feiner werdenden gewaschenen Sandes bedeckt. Um ein Wegspülen des letzteren zu vermeiden, wird auf denselben an der Stelle, wo das Oel ausflieſst, noch eine kleinere Platte z aufgelegt. Aus diesem Vertheiler ergieſst sich das Oel in der ganzen Weite des Thurmes über die Thonkugeln und flieſst an diesen herunter, kommt dabei mit dem von unten durch ein Rohr c in den Thurm eingeleiteten aufsteigenden überhitzten Dampfe innig in Berührung, wodurch die Zerlegung der Glyceride in freie Fettsäuren und Glycerin vor sich geht, welche Zersetzungsproducte mit dem Dampfe durch das Abzugsrohr d nach einem passenden Kühler abgeführt werden.

In das den überhitzten Dampf zuführende Rohr c ist ein Kasten f eingeschaltet, in welchen zwei oder mehrere oben offene und unten verschlossene Röhren g eingesetzt sind; von diesen ist die eine mit Blei (Schmelzpunkt 334°), die zweite mit einer Legirung von 100 Th. Blei mit 6 Th. Zinn (Schmelzpunkt 289°) und eine dritte mit Zink (Schmelzpunkt 412°) angefüllt, so daſs eine Beobachtung dieser Röhren genügende