Text-Bild-Ansicht Band 253

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werden durch die Kohlensäure theilweise gefällt oder zersetzt.

Der osmosirte Syrup muſs vor der Mischung mit Rübensaft auf 20° abgekühlt werden, worauf derselbe zu 10 bis 20 Proc. dem Safte zugesetzt wird. Dann wird der Syrup mit Kalkmilch versetzt und kalt saturirt, was trotz des starken und steifen Schaumes ohne Schwierigkeit gelingt. Man erhitzt auf 85 bis 90° und läſst absitzen, worauf die 2. Saturation folgt. In Haussy geht nur der Dicksaft über Knochenkohle und zwar in geschlossenen, zu zweien vereinigten Filtern. Das Verkochen verlangt um etwa 50 Proc. gröſsere Apparate, wie ein solcher aber in Haussy nicht vorhanden ist. Man kann also nicht zu so grobem Korn kochen, wie man wünscht; dennoch ist die Füllmasse schön und gibt viel Zucker Nr. 3 von scharfem und ziemlich hartem Korne, einer normalen Arbeit entsprechend.

Im Mittel werden 1600hl Saft täglich verarbeitet und zur Zeit nur weiſser Zucker erzeugt. Alle 8 Tage wird die Syruparbeit abgeschlossen, indem man den Syrup nicht zum Safte nimmt und eine bestimmte Menge Syrup, etwa 2l auf 1hl Saft durch Kochen auf 2. Product beseitigt. Dies ist unbedingt nothwendig, wenn man die Anhäufung von Nichtzucker und Melassebildern vermeiden will, welche durch Osmose und Saturation nicht fortzuschaffen sind.

Die Zuckergewinnung aus Melasse nach dem Fällungsverfahren beruht nach R. Stutzer (Zeitschrift des deutschen Vereins für Rübenzucker-Industrie, 1884 S. 85) auf der Ausfällung des Zuckerkalkes aus alkoholischer Lösung der Melasse. Durch Versuche wurde festgestellt, daſs der Zucker am leichtesten aus einer alkoholischen Melasselösung auszufällen ist, wenn der Kalk zuvor in Spiritus gelöscht wurde, daſs dagegen die Ausscheidung von Zuckerkalk bei Anwendung von feinstem Kalkmehle in alkoholischen Melasselösungen sehr langsam vor sich geht und sehr unsicher ist, so daſs der Kalk in Hydratform sich wesentlich leichter mit dem Zucker verbindet als in Oxydform, besonders wenn eine Alkali haltige Zuckerlösung (Melasse) zur Verwendung kommt. Baryt und Strontian zeigen dasselbe Verhalten.

Zum Löschen des Kalkes füllt man die Löschmaschine (vgl. 1884 251 * 78) mit Spiritus von 35 bis 40° Tr. und zwar zu einem Gemische von 5000k Melasse 5000l. Alsdann werden 1500 bis 1800k zu faustgroſsen Stücken zerschlagener und vom Ungebrannten ausgesuchter Kalk mittels Eimer von bestimmtem Inhalte durch einen luftdicht schlieſsenden Füllhahn in die Maschine gebracht. Die durch den Löschprozeſs entwickelten Spiritusdämpfe werden durch einen Röhrenkühler niedergeschlagen und flieſsen in die Maschine zurück. Etwa ½ Stunde nach Einbringung des Kalkes entleert man die Löschmaschine in ein Rührwerk. In dieses läſst man aus einem Vorrathsgefäſse auf je 5000k Melasse 5000l 80procentigen Spiritus zu der alkoholischen Kalkmilch zuflieſsen.