Text-Bild-Ansicht Band 253

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Wenn der Spiritus mit der Kalkmilch gemischt ist, kühlt man die Masse, indem dieselbe durch eine Pumpe in einen Schlangenkühler gedrückt wird und in das Rührwerk zurückflieſst. Sobald die Temperatur dieser Mischung unter 20° gesunken ist, läſst man aus einem Vorrathsgefaſse 5000k Melasse in das in steter Thätigkeit gehaltene Rührwerk flieſsen. Die Temperatur steigt um etwa 5 bis 6°, weshalb wieder unter 20° abgekühlt wird. Das Ende der Mischung sieht man nach Herausnehmen einer Probe an der Zusammensetzung der abfiltrirten Mutterlauge; übersteigt der Zuckergehalt 1 Proc., so kühlt und rührt man weiter, bis diese Zahl erreicht ist. Die Zeitdauer des Kühlens der alkoholischen Kalkmilch und weiter des Gemisches übersteigt selten, je nach der Temperatur des zur Anwendung kommenden Wassers, 6 bis 8 Stunden. Sollte im Herbste das Kühlwasser nicht die Temperatur besitzen, um das Gemisch innerhalb 6 bis 7 Stunden genügend abzukühlen, bezieh. die Mutterlauge auf unter 1 Proc. Zucker herabzudrücken, so hilft man sich in der Weise, daſs man statt 80 procentigen Spiritus solchen von 85° Tr. verwendet.

Das abgekühlte Gemisch wird mittels Pumpen in Pressen gedrückt, welche aus 15 Kammern, 16 Rahmen und 2 Kopfstücken bestehen. Die Construction der Fällungspressen ist verschieden von den gewöhnlichen Auslaugepressen, in so fern alle Kanäle innen liegen und durch die Preſstücher nach auſsen dicht verschlossen sind. Zur etwaigen Prüfung der eintretenden bezieh. abflieſsenden Laugen sind vorn an der Presse zwei Probecylinder angebracht, welche durch Oeffnen der betreffenden Ventile einmal mit dem Druck-, ein anderes Mal mit dem Ablaufkanale in Verbindung gesetzt werden können. Die in den Cylindern befindlichen Spindeln zeigen die Beschaffenheit der betreffenden Flüssigkeiten an und bilden so eine Nachprüfung für die Preſsarbeit, ohne das Abziehen von Probeflüssigkeiten nöthig zu machen.

Man öffnet das Gemisch-Eingangsventil, das Ausgangsventil für Destillationslauge und das Durchgangsventil, damit die Mutterlauge aus den Druck- und Ablaufkammern, ebenso die Luft in den Kanal für Destillationslauge gelangen kann. Um sich zu überzeugen, ob das Gemisch in die Presse eindringt, schlieſst man das Ablaufventil und öffnet den Hahn nach dem Probecylinder; arbeitet die Presse, so steigt Mutterlauge, welche gespindelt werden kann, im Probecylinder in die Höhe. Bei normaler Arbeit muſs die Mutterlauge 35 bis 40° Tr. zeigen. Sobald die Presse voll ist, zeigt sich bei der Probenahme im Probeapparate keine Lauge mehr, das Sicherheitsventil in der Gemisch-Druckleitung hebt sich und das Gemisch geht durch das Sicherheitsventil in das Rührwerk zurück, aus welchem es gekommen ist; tritt dies ein, so schlieſst man das Gemisch-Eingangsventil, schlieſst zum Auslaugen der Kuchen mit Halblauge das Durchgangsventil und öffnet das Halblauge-Einlaſsventil. Die Halblauge kommt vom Halblauge-Druckgefäſse, geht durch das Halblauge-Einlaſsventil in den Kanal für Waschflüssigkeiten und füllt sämmtliche Druckkammern mit Halblauge an. Diese dringt in die Kuchen ein, verdrängt die Mutterlauge und flieſst vereint mit dieser zu Anfang in den Behälter für Destillationslaugen. Die beste Auslaugung erzielt man durch Anwendung von Halblauge von 8 bis 12° Tr.

Angenommen, die Mutterlauge spindelt 35° Tr., die zum Auslaugen zur Verwendung kommende Halblauge zeige 10° Tr., so läſst man so lange nach der Destillation laufen, bis die Ablauf lauge auf etwa 150 Tr. gesunken ist