Text-Bild-Ansicht Band 253

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S. 416 ausführlich berichtet. In der That scheint hier eine Lösung der Aufgabe bis zu einem gewissen Grade erreicht zu sein.

Was die Hauptarbeit, das Blasen selbst, betrifft, so ist festgestellt worden, daſs ein geübter, kräftiger Arbeiter beim Blasen höchstens eine Pressung von 150 g/qc und dies nur ausnahmsweise auf sehr kurze Zeit erzielen kann. Im Mittel beträgt die Spannung 5 bis 30 g/qc; sie ist aber ebenso wie die Menge der durch die Pfeife zu blasenden Luft abhängig von den zu erzeugenden Glasgegenständen. So sind beim Herstellen mancher Hohlwaaren täglich zu fördern: 2500l Luft von 25 g/qc beim Blasen von Fensterglas 6000 bis 7000l von 20 bis 75 g/qc und beim Erzeugen von Flaschen 1000l von 25 bis 75 g/qc und mehr. Die Inanspruchnahme der physischen Leistungsfähigkeit der Arbeiter ist daher, zumal bei dem Aufenthalte in der heiſsen und trockenen Luft der Hütte, eine ganz auſserordentliche, so daſs nur wenige besonders kräftige Leute die Arbeit über 40 Jahre hinaus fortsetzen können. Hierzu kommt noch, daſs nur wenige Kunstgriffe bekannt sind, welche die Arbeit erleichtern. So kann sich beim Blasen ganz groſser Stücke, wie z.B. von Schwefelsäureflaschen, der Arbeiter dadurch eine bedeutende Erleichterung verschaffen, daſs er einige Tropfen Wasser bezieh. einer Mischung von Wasser und Spiritus in die Pfeife laufen läſst; indem sich das Wasser im unteren heiſsen Theile der Pfeife in Dampf verwandelt, wird eine groſse Glasblase in einem Augenblicke aufgetrieben. Zur Herstellung kleiner Stücke ist in vielen Werkstätten das im J. 1825 von einem Arbeiter in Baccarat erfundene Robinet'sche Gebläse in Gebrauch, welches unter besonderen Umständen gute Dienste leisten kann. In den meisten Fällen dagegen ist der Arbeiter ausschlieſslich auf die Kraft seiner Lunge angewiesen, da einer allgemeineren Einführung maschineller Einrichtungen die Schwierigkeit entgegensteht, dieselben in ihrer Wirkung völlig von dem Willen des Arbeiters abhängig zu machen.

Für die in Clichy hergestellte Preſsluftanlage hatte es sich als erforderlich gezeigt, die Pressung der Betriebsluft in den Leitungen möglichst gleich und nur wenig über der oben erwähnten höchsten Arbeitsspannung zu erhalten, um eine leichte Regulirbarkeit der Arbeitspressung durch einfache Drosselung erzielen zu können. Die Anwendung sehr hoher Pressungen ist auch deshalb schon zu vermeiden, um die Windverluste durch Undichtigkeiten der Leitungen und Sammelbehälter, sowie durch nachlässige Benutzung seitens der Arbeiter herabzuziehen. Regulatoren erhalten die Spannung auf gleicher Höhe, so daſs selbst bei Inbetriebsetzung aller Arbeitsapparate die Schwankungen höchstens 1/20 betragen. Verschiedene Versuche haben als günstigste Spannungen für Krystallglas und Fensterglas 180, für weiſses Glas zu Hohlwaare oder Halbkrystall 200 und für Flaschenglas 250g auf 1qcm ergeben.

Die Preſsluft liefert eine zweicylinderige Pumpe, welche mit doppelwandigen Kühlmänteln versehen ist, damit während der Verdichtung