Text-Bild-Ansicht Band 253

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die gröbsten Unreinigkeiten absetzt und dieselben, gar nicht zum Steigrohre gelangen läſst.

Nach Kunath (Journal für Gasbeleuchtung, 1884 S. 262) geben unter sonst gleichen Verhältnissen leicht abdestillirende Kohlen einen dünnflüssigen, schwer destillirende einen dickflüssigen Theer. Der Eintritt von Theerverdickungen ist lediglich abhängig von der physikalischen Beschaffenheit der Kohle, ob dieselbe stückig, grusig oder staubig ist. Bei Verwendung reiner Stückkohle werden selbst bei hoher Vergasungstemperatur Verdickungen in der Vorlage nicht eintreten; dieselbe Kohle aber mit Grus und Staub gemischt, also in dem Zustande, wie sie meist aus dem Kohlenschuppen vom Haufen genommen wird, wird schon bei halbwegs hoher Temperatur Verdickungen herbeiführen, die bei Kohlen, welche dünnflüssigen Theer liefern, in milder Form auftreten, bei den anderen, insbesondere den englichen Kohlen, aber oft den ganzen Betrieb in Frage stellen können. Grus und Staub, erdfeucht angenäſst und allein verarbeitet, oder aber in der Eintragemulde derart gesondert, daſs auf etwa ⅓ am Ende der Mulde der Grus und Staub, die anderen ⅔ aber mit Stückkohle gefüllt werden, läſst auch Verdickungen vermeiden.

Alle die gemachten Erfahrungen drängten zu der Annahme, daſs nur der mitgerissene feine Kohlenstaub die Ursache der Theerverdickungen in den Vorlagen und zum gröſsten Theile auch der Inkrustationen der Steigröhren und daſs hiernach die Ursache zu den Verdickungen in dem Kohlenschuppen zu suchen und dort zu beseitigen ist. Thatsächlich bleibt beim Auswaschen des steifen Theeres mit Terpentinöl ein scharfkantiger Rückstand, der deutlich die Structur der Kohle zeigt und in welchem bis zu 2mm dicke Stücke vorkommen.

Von den Mitteln, welche den Eintritt von Theerverdickungen verhindern sollen, sind wohl die bekanntesten: groſse Retorten bezieh. kleine Ladungen, weite und innen möglichst glatte Steigröhren, mäſsige Ofentemperatur, also lange Vergasungsdauer, Dunkelhalten der Retorten am Kopfende durch Verstärkung der vorderen Ofenwand u. dgl. Alle diese Mittel lassen ohne weiteres erkennen, daſs sie den Zweck erfüllen sollen, durch Vergröſserung des freien Querschnittes in der Retorte, oder durch Verlangsamung der Vergasung die Geschwindigkeit des Rohgasstromes in der Retorte und namentlich im Kopfe derselben wie in den Steigröhren zu verringern und so ein Niederfallen der mitgerissenen Kohlentheilchen herbeizuführen. Weitere Mittel, wie das Anfeuchten der Kohle, Einstellen von Wasser oder Einbringen von Koke in den Kopf der Retorte, sollen die Kohlentheilchen schwerer, also leichter niederfallbar machen, oder aber, wie das letztere, dieselben mechanisch zurückhalten.

Von dem Tage der Kohlenaufbereitung an haben in den Werken des Verfassers die Verdickungen in der Vorlage aufgehört und die Inkrustation in den Steigröhren ist wesentlich geringer geworden. Die Aufbereitung erfolgt im Kohlenschuppen in der Weise, daſs zunächst mittels gewöhnlicher Kokesgabel die Grobkohle aufgenommen, während das Zurückbleibende durch ein Cylindersieb von 5mm Maschenweite abgesiebt wird. Die mit der Kokesgabel aufgenommene Kohle und die abgesiebte wird zusammen vergast. Das durch das Sieb hindurch gefallene