Text-Bild-Ansicht Band 253

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Kohlenklein wird mit Wasser erdfeucht angemacht, so daſs es beim Wurfe nicht mehr stäubt und dann ebenfalls vergast und zwar entweder ganz besonders, oder aber zu ⅓ mit ⅔ Grobkohle zusammen, jedoch getrennt in der Mulde eingetragen. Dieses letztere Verfahren wird bei denjenigen Retorten angewendet, welche, ungleich hoch in der Temperatur stehend, am hinteren Ende sehr heiſs sind, und es wird dann so beschickt, daſs das Kohlenklein in das hintere Ende der Retorte eingebracht wird, weil dasselbe seiner dichteren Lagerung wegen langsamer vergast als die Grobkohle.

Kunath glaubt, daſs als eigentliche Ursache der Theerverdickung die Mischung von Grobkohle und Kohlenklein anzusehen ist. Beim Einschaufeln gemischter Kohle, wie solche vom Haufen kommt, in die Eintragungsmulde, fällt das Kohlenklein in die Zwischenräume der Grobkohle und durch dieselbe hindurch auf den Boden der Mulde. Jeder Schlag an die Mulde beim Aufheben und Ansetzen an den Kopf der Retorte, wie beim Einschieben und Drehen der Mulde begünstigt das Eindringen von Kohlenklein in die unteren Hohlräume und es wird somit, wenn die Mulde gedreht ist, das Kohlenklein oben, die Grobkohle dagegen unten zu liegen kommen. Naturgemäſs tritt die Entgasung am heftigsten da ein, wo die Kohle direkt mit der glühenden Retortenwand in Berührung steht, also zunächst am Boden der Retorte, wo die Grobkohle liegt. Das erzeugte Rohgas wird in die Zwischenräume eindringen, sich durch dieselben hindurchpressen und den zwischen- und aufliegenden Kohlenstaub in die Höhe und in den Rohgasstrom hinein schleudern, noch ehe derselbe so zu sagen Oberhitze bekommen hat und zusammengebacken ist. Wird dagegen Grobkohle allein vergast, dann sind die Zwischenräume frei und das Gas kann ungehindert durch dieselben hindurch streichen. Bei Vergasung von Kohlenklein fehlen die Zwischenräume ganz, die Masse liegt dichter und es bildet sich, weil die Vergasung langsamer und nur allmählich von auſsen nach innen fortschreiten kann, auf der Oberfläche eine Backkruste, welche das Auffliegen von Kohlenstaub verhindert.

Bei heiſsen Retorten kann, wenn nur Stückkohle eingetragen wird, nie eine Verstopfung oder Verdickung eintreten. Kunath hat die Temperatur der Oefen auf das Höchste getrieben und keine Verdickung des Theeres in der Vorlage beobachtet. Ferner wurde z.B. alter verhärteter Theer, welcher als Besserungsmaterial für die Wege auf der Gasanstalt bereits verwendet war. wieder vergast und dabei sogar dünner Steinkohlentheer erhalten.

Kohlstock und Jochmann sind gegenteiliger Ansicht, nämlich daſs diese Verdickung durch eine hohe Temperatur des Ofens bedingt ist. In Liegnitz enthält die Kohle nur wenig Grus und Staub und dennoch hat man kolossale Theerverdickungen in den Vorlagen, seitdem mit Generatoren und bei sehr hoher Temperatur gearbeitet wird, während vor Einführung der Generatoren keine Theerverdickungen eintraten. Jochmann glaubt daher nicht, daſs der mitgerissene Staub die Schuld daran trägt, sondern die hohe Temperatur der Oefen. Um die Verdickung in den Vorlagen möglichst schnell beseitigen zu können, wird direkter Dampf in dieselben eingeführt.

Kunath hebt dagegen hervor, daſs die Neigung des Theeres, dickflüssig zu werden, von der chemischen Zusammensetzung abhängig ist; führt man nun Dampf in die Vorlage ein, so wird dadurch der Theer entölt, die flüchtigen Kohlenwasserstoffe werden verdampft und können nicht mehr lösend auf den Theer wirken; die unmittelbare Folge davon wird sein, daſs der Theer noch steifer wird.

L. A. Chevalet in Paris (* D. R. P. Nr. 19 811 vom 14. März 1882) hat einen Waschapparat zum Reinigen von Leuchtgas construirt, dessen einzelne Abtheilungen mit Siebböden e (Fig. 1 und 2 Taf. 33) versehen sind, auf welchen zur Regulirung der durchströmenden Gasmenge nach