Text-Bild-Ansicht Band 248

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Schwindelseifen.

Eine Firma in Neu-Isenburg hat seit einiger Zeit eine stark gefüllte Cocosseife von 300 bis 1200 Proc. Ausbeute in den Handel gebracht, welche bis auf einen geringen Rückstand zusammentrocknet, in der Kälte aber fingerlange Ausschläge bekommt.

Unter der Bezeichnung „Sinclair's Cold Water Soap“ wird seit Kurzem von England aus eine Seife zu 80 M. für 100k nach Deutschland eingeführt. Jedes 454g (1 Pfund engl.) schwere Stück ist in einen Umschlag gewickelt, auf welchen gedruckt ist: „In kaltem Wasser ohne Arbeit vollständig zu waschen; die Seife ist die reinste und concentrirteste der Welt; 1k Sinclair-Seife leistet dieselben Dienste als 3k gewöhnliche Seife“ u.s.f. Eine von L. Borchert untersuchte Probe dieser englischen Seife war aus etwa 70 Th. Talg, 30 Th. gebleichtem Palmöl und 25 Th. Harz gesotten, dann mit 3 bis 5 Proc. venetianischem Terpentin versetzt. Nach 2 Tagen sind dann noch etwa 8 Proc. Wasserglas zugesetzt.

Nach anderen Angaben enthielt diese englische Seife statt Wasserglas 1 Proc. Talk, so daſs sie jedenfalls weniger gut, aber theurer ist als gewöhnliche deutsche Harzkernseife.

Ein süddeutscher Fabrikant bringt unter der Bezeichnung „Teigseife“ ein ähnliches, in Pergamentpapier gepacktes Product in den Handel. Dasselbe ist nach L. Borchert eine mit reichlich 20 Proc. Wasserglas, etwas Ammoniakflüssigkeit und Terpentinöl versetzte Harzkernseife.

Als Army blue mottled Soap wird von England aus eine sogen. Soldatenseife in den Handel gebracht, welche nach Borchert eine nach Eschweger Art aus Kernöl und Cocosöl gesottene, mit Ultramarin gefärbte und stark durch Laugen gefüllte Seife ist. (Nach dem Seifenfabrikant, 1882 S. 5 bis 171.)

Verfahren zur Herstellung von Buchdruckerschwärze.

Gebrüder Schmidt in Bockenheim (D. R. P. Kl. 22 Nr. 21408 vom 20. Juni 1882) machen den Vorschlag, zur Herstellung von Druckerschwärze und Stempelfarbe statt Kienruſs Mangansuperoxyd zu verwenden, damit die mit dieser Schwärze bedruckte Maculatur wieder zur Herstellung von weiſsem Papier verwendet werden kann.

Verfahren zur Herstellung wetterbeständiger Wandgemälde.

Nach A. Keim in München (D. R. P. Kl. 22 Nr. 19210 vom 6. December 1881) wird zunächst der aus gelöschtem Kalk, Sand und Wasser hergestellte Untergrund nach dem Trocknen mit rauhem Sandstein abgerieben und dann mit Kaliwasserglas getränkt. Der eigentliche Malgrund wird mit einem Gemisch aus 4 Th. Quarzsand, 3,5 Th. Marmorsand, 0,5 Th. Infusorienerde, 1 Th. Aetzkalk und der erforderlichen Menge destillirten Wassers hergestellt. Nach dem Austrocknen wird dieser Malgrund mit Kieselfluorwasserstoffsäure getränkt, worauf die mit entsprechenden Zusätzen zur Beförderung der Silicatbildung versehenen Farben, welche vorher zur Verhütung des Nachdunkelns mit Alkalien behandelt wurden, aufgetragen werden. Das fertige Bild wird mit einer heiſsen Lösung von Kaliwasserglas bespritzt, getrocknet, mit einer Lösung von Ammoniumcarbonat behandelt und schlieſslich abgewaschen.

Nach einem Gutachten der Kgl. bayerischen Akademie der bildenden Künste in München zeichnen sich die so hergestellten Wandgemälde durch groſse Widerstandsfähigkeit gegen atmosphärische Einflüsse aus. Auch vom künstlerischen Standpunkte aus wird das Verfahren als vorzüglich bezeichnet.