Text-Bild-Ansicht Band 247

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Früher schrieb man alle Goldverluste den im Erze vorkommenden Schwefelverbindungen zu (vgl. 1881 240 152) und unterwarf diese dann besonderen Prozessen. Nach Plattner's Chlorationsverfahren (vgl. 1882 245 839) röstete man die Erze und zog das Gold durch Chlor aus. Man glaubte einige Zeit, damit diese Frage gelöst zu haben, fand dann aber, daſs dabei gewisse fremde Beimengungen störend wirkten, als Kalk, Magnesia, Blei, Zink u.s.w., die ebenfalls von Chlor angegriffen wurden, oder durch welche der Goldrückhalt im Erze erhöht wird. Bessere Resultate verspricht die Abänderung, daſs man nascirendes Chlor unter Druck anwendet (vgl. 1882 245 339). Vorläufig ist der Plattner'sche Prozeſs noch keiner allgemeinen Anwendung fähig. Ist Silber vorhanden, so bedeckt sich das Gold mit Chlorsilber; ersteres wird vom Chlorgas weniger leicht angegriffen und Chlorsilber enthaltende Goldtheilchen gehen mit diesem verloren. Zwar kann man einen Theil der vom Chlor ebenfalls angreifbaren Gangarten durch Aufbereitung entfernen, aber nicht alle, was immer zu Verlusten führt. Findet sich ferner in der Lösung beim Rösten gebildetes schwefelsaures Eisenoxydul, so fällt dasselbe einen Theil des gelösten Goldes beim Auslaugen; gewisse organische Stoffe, z.B. im Laugewasser, veranlassen dasselbe. Beim Filtriren der Goldlösung scheidet sich dann Gold im Filter oder auf dem Boden des Gefäſses aus und geht dann verloren.

Vor längerer Zeit lag es den Metallurgen im Westen fern, Gold und Silber aus den Erzen durch einen Schmelzprozeſs zu concentriren. Man trennte die Erze in Goldsande und Mühlenerze und letztere wieder in Freigolderze und „rebellische“ Erze, welche letzteren sich nur unvollkommen amalgamiren lieſsen. Solche Erze werden jetzt u.a. in Colorado verschmolzen, indem man das Gold in Blei oder Kupfer haltigen Zwischenproducten ansammelt.

Zur Gewinnung von Silber behandelt man die dafür geeigneten Erze mittels Amalgamation (vgl. 1881 242 212) nach dem Patio-Prozeſs und Caco-Prozeſs; die Freiberger Fässeramalgamation steht im Westen in keiner besonderen Gunst und zieht man allgemein die Pfannenamalgamation vor, da diese in 3 bis 5 Stunden dasselbe leistet wie die Fässeramalgamation in 24 Stunden, bevor das Amalgam gewonnen ist. Die Pfannen erfordern nur Erz, Quecksilber, Chemikalien und Wasser, sind wohlfeiler herzustellen und zu bewegen und die Berührung der Materialien ist inniger. Die Amalgamation in Fässern oder Pfannen wurde anfangs nur für gutartige Erze (Freisilbererze) angewendet, welche das Silber leicht an Quecksilber abgeben, während Schwefel und andere Substanzen enthaltende Erze (rebellische Erze) einen gröſseren Verlust erleiden. Anfangs unbenutzt, wurden sie später geröstet, am besten chlorirend beim Reese-River-Prozeſs, während nach dem Washoe-Prozeſs nur die gutartigen Erze ungeröstet behandelt werden. Für ersteren Prozeſs werden die Erze am besten trocken gepocht, für letzteren naſs.