Text-Bild-Ansicht Band 247

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das Blei mittels eines von Steitz erfundenen Hebers abgelassen wird. Das erfolgende Silber reiche Zink wird granulirt und in Retorten in Einern kleinen, von Balback construirten Kokesofen destillirt, wobei aber die Retorten sehr leiden. Durch Anwendung von Erdöl als Feuerungsmaterial milderte sich dieser Uebelstand; vollständig ist derselbe beseitigt durch Anwendung des Faber du Faur'schen Ofens (vgl. 1876 219 * 60). Das Armblei wird im Flammofen wie Werkblei raffinirt und eignet sich vorzüglich zur Bleiweiſsfabrikation. Steitz hat den eisernen Herd des Treibofens mit Wasserkühlung versehen und Eurich stellt direkt Feinsilber von 996 Feine dar auf einem Herde von Portlandcement und gieſst durch Kippen des Herdes das Silber direkt in Formen.

Von nassen Silbergewinnungsmethoden sind der Augustin'sche und Ziervogel'sche Prozeſs in Anwendung, beide auch wohl in der Verbindung, daſs man die Rückstände vom Ziervogel-Prozeſs dem Augustin'schen unterwirft. Bei einer Vergleichung dieser Prozesse hinsichtlich der relativen Kosten und der Menge des ausgebrachten Silbers ergibt sich Nachstehendes:

Kosten Verluste
Amalgamation 2,2 2,0
Augustin-Prozeſs 1,8 2,0
Ziervogel-Prozeſs 1,0 1,0

Mehrfach wird auch der Patera'sche Prozeſs verwendet, welcher leicht auszuführen ist, gleich fertige Reagentien und die Wiedereinbringung der Abfalllaugen in den Kreislauf zuläſst; aber sowohl die Auslaugung, als auch Fällung erfordert schwierige Merkmale und solche tüchtige chemische Kenntniſs, daſs der Prozeſs nicht recht erfolgreich ist.

Die nach diesen Prozessen erfolgenden Edelmetalle enthalten gewöhnlich noch fremde Metalle. Das californische Gold enthält fast 12 Proc. Silber, das australische 4 bis 6 Proc.; der Gehalt wechselt im Allgemeinen zwischen 3 und 25 Proc. Das Feinsilber enthält öfters Gold, z.B. das vom Comstock ⅓ seines Werthes. Die Goldscheidung geschieht alsdann mittels der Quart, wobei gewöhnlich auf 1 Th. Gold 3 Th. Silber vorhanden sind; in einem Falle in Californien erzeugte man eine Legirung mit 3 Th. Silber auf 2 Th. Gold. Die Scheidung geschieht entweder mit Salpetersäure und wird dann das aufgelöste Silber als Chlorsilber gefällt, mittels Schwefelsäure und Zink reducirt und geschmolzen, oder mit Schwefelsäure, wo dann das Silber aus seiner Lösung durch Kupfer oder nach Gutzkow's Verfahren durch Eisenvitriol gefällt wird (vgl. 1882 245 338). Die Salpetersäurescheidung ist meist verlassen wegen Belästigung der Umgebung durch Dämpfe. Gutzkow's Verfahren gibt bessere Resultate als die übrigen; dasselbe wurde in St. Francisco 1867 eingeführt.

Bei allen Methoden der Gewinnung findet ein bedeutender Verlust an Edelmetallen statt, gröſser als man gewöhnlich annimmt. Namentlich enthalten die Abgänge noch Edelmetalle, deren Gewinnung sich noch häufiger lohnt. Beim Mühlenprozeſs kann der Verlust auf 50 bis 60 Procent