Text-Bild-Ansicht Band 247

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Zuweilen findet man mehr als 100 Proc. (VI); dies erklärt sich aus dem Vorhandensein eines Stärkeumwandlungsproductes mit einer anderen Drehung als 193. Die Berechnung des Gehaltes an Dextrose, Maltose und Dextrin aus dem specifischen Gewichte der Lösung gibt unbrauchbare Resultate.

Ueber Stärkebestimmung in Körnerfrüchten.

Das früher angewendete Verfahren, die Stärke durch Erhitzen mit 1procentiger Schwefelsäure unter Druck aufzuschlieſsen, gab Resultate, welche mit den in der Praxis erhaltenen Zahlen nicht übereinstimmten (vgl. 1880 236 61), da durch die Schwefelsäure nicht allein Stärke, sondern auch geringe Mengen Cellulose gelöst wurden und dadurch der Stärkegehalt stets zu hoch gefunden wurde. Man gab daher diese Methode auf und dachte nun ohne jeden Säurezusatz zu arbeiten. Da aber die Stärke durch Wasser allein auch unter höherem Druck sich nur langsam löst (vgl. 1879 232 245) und nachher beim Trennen der gelösten Stärke von der Holzfaser durch Filtriren leicht eine Ausscheidung ersterer zu befürchten steht, so wollte man, um sicherer, zu gehen, erst eine Vorverzuckerung stattfinden lassen, indem die fein gemahlene Frucht bei 50° mit Diastase digerirt wurde. Das Verfahren war umständlich, wurde aber so lange beibehalten, bis die gar zu niedrigen Resultate darauf hinwiesen, daſs durch dieses Verfahren der wirkliche Stärkegehalt wohl nicht erhalten werde.

G. Francke (Zeitschrift für Spiritusindustrie, 1882 S. 306) hat nun reine Kartoffelstärke, welche durch direkte Inversion mit Salzsäure einen Stärkegehalt von 82 Proc. ergeben hatte, in üblicher Weise verkleistert, ½ Stunde mit einem Malzauszug von bekanntem Zuckergehalt verzuckert und schlieſslich unter Druck bei 140° 4 Stunden lang erhitzt. Das Resultat fiel bedeutend zu niedrig aus; die aus der Fehling'schen Lösung reducirten Kupfermengen entsprachen einem Stärkegehalt von 76,75 Proc., die Differenz betrug also 5 Proc. und blieb bei wiederholtem Verfahren dieselbe. Daſs Stärke bei 140° noch nicht zersetzt wird, wurde bewiesen, indem gewisse Mengen, sowohl direkt mit Salzsäure invertirt, als noch 4 Stunden lang mit Wasser bei 140° erhitzt und darauf invertirt, dasselbe Resultat ergaben.

Die Differenz konnte daher allein durch den Umstand veranlaſst sein, daſs sich die durch Diastase gebildete Maltose bei der Temperatur von 140° in Fehling'sche Lösung nicht oder wenigstens in geringerem Maſse reducirende Substanzen zersetzt. Eine Lösung von Maltose, die durch direkte Inversion mit Salzsäure, Behandlung des gebildeten Traubenzuckers mit Fehling'scher Lösung einen Gehalt von 5,13 Proc. Maltose ergeben hatte, wurde daher einer Temperatur von 140° 4 Stunden lang