Text-Bild-Ansicht Band 247

Bild:
<< vorherige Seite

Kalkes durch Oxalsäure genau ausgefällt und das Filtrat nicht ganz bis zum Syrup eingedampft. Beim Erkalten bezieh. mehrtägigen Stehen der concentrirten Lösung bildet sich dann eine reichliche Krystallisation von Saccharin, von welchem die Mutterlauge durch Abtropfenlassen ziemlich vollständig getrennt werden kann. Das ausgeschiedene Saccharin wird aus kochendem Wasser umkrystallisirt; 1k Rohrzucker gab so 100g reines Saccharin.

Während nach Scheibler (vgl. 1882 245 191) freie Saccharinsäure nicht existenzfähig sein, sondern sofort in ihr Anhydrid, das Saccharin, übergehen soll, sobald man sie aus ihren Salzen frei zu machen sucht, zeigt Kiliani, daſs im Gegentheil das Saccharin leicht theilweise in Saccharinsäure übergeht, wenn man eine wässerige Lösung des Saccharins eindampft, oder kurze Zeit zum Kochen erhitzt, oder aber einige Tage stehen läſst. Zersetzt man saccharinsauren Kalk bei gewöhnlicher Temperatur mit der äquivalenten Menge Oxalsäure, so wird die Saccharinsäure frei, welche bei gewöhnlicher Temperatur nur langsam, rascher – aber auch nicht vollständig – beim Erhitzen in das Anhydrid übergeht.

Die Angabe von L. Cuisinier (Sucrerie indigène, Bd. 19 S. 337), daſs die Glycosen als Aether artige Verbindungen des Saccharins mit einem noch nicht isolirten, alkoholische Kupferlösung stark reducirenden Alkohol zu betrachten seien, welche durch Alkalien wie durch Säuren zerlegt bezieh. verseift würden in Saccharin und den betreffenden Alkohol, ist nach Kiliani's Versuchen nicht richtig.

Verfahren zur Darstellung von Benzaldehyd.

Nach H. Schmidt in Frankfurt a. M. (D. R. P. Kl. 12 Nr. 20909 vom 22. März 1882) wird ein Gemisch von Benzylchlorid und Benzalchlorid mit Wasser und Mangandioxyd am Rückfluſskühler gekocht: 2C6H5.CH2Cl + C6H5.CHCl2 + 2MnO2 = 3C6H5.CHO + 2MnCl2 + H2O.

Farbendruck in beliebiger Anzahl Farben in einer Operation.

Um Farbendrucke auf Geweben, Fransen, Kautschuk, Leder oder Papier in einer beliebigen Anzahl Farben und mittels einer einzigen Operation herzustellen, mischen W. G. White und F. Anderson in Paris (Oesterreichisches Patent Kl. 8 vom 31. Juli 1880) die Farben mit einer Fettmasse aus 22 Th. Talg, 12,5 Th. Paraffin oder Wachs, 5 Th. Nelkenöl, 25 Th. venetianischem Terpentin, 5 Th. Leinöl und 3 Th. Eiweiſs, welche vor ihrer Verwendung etwa 1 Stunde gekocht war. Die so erhaltene Paste wird in Stücke von gleichförmiger Dicke geschnitten, auf welche man mittels Pauspapier die Umrisse der gewünschten Zeichnung überträgt und diese dann ausschneidet.

Angenommen, man wollte auf blauem Grunde eine Rosette mit dunkelgrauem Mittelkern und lichtgrauem Umfange herstellen, so nimmt man zuerst einen dunkelgrauen Farbblock und schneidet denselben dem Umriſs des Rosettenkernes entsprechend aus. Dieses den Kern der Rosette bildende Stück wird nun in einen Rahmen gebracht und mit lichtgrauer Paste umgeben. Es wird nun diese letztere, nachdem der Rahmen entfernt ist, in die gewünschte Rosettenform geschnitten und wieder in einen Rahmen gebracht, welcher sodann mit der den Untergrund bildenden blauen Paste ausgefüllt wird. Die zu bedruckenden Stoffe werden mit Terpentinöl getränkt und auf die in der Presse liegenden Farbblöcke gebracht. Die bedruckten Stoffe bringt man in eine Trockenkammer.

Sollen solche Abdrücke auf Kautschuk hergestellt werden, so muſs die Farbpaste 10 Proc. Wachs mehr enthalten und noch mit 5 Th. Siccativ versetzt werden. Die Abdrücke werden durch eine Lösung von 50g; Gummilack in 1l Methylalkohol fixirt.