Text-Bild-Ansicht Band 244

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spectroskopisch messen zu können (vgl. 1879 233 404). – L. Nichols hebt dagegen im American Journal of Science, 1881 Bd. 19 S. 42 hervor, daſs von den drei hierfür angegebenen Verfahren die Feststellung der Wellenlänge derjenigen Strahlen, welche das violette Ende des Spectrums begrenzen, unbrauchbar ist, weil es eine solche bestimmt festzustellende Grenze nicht gibt. Die Ermittlung der gröſsten Wärmewirkung innerhalb des Spectrums, welche sich mit steigender Temperatur dem Violett nähert, verspricht kein brauchbares Resultat, weil die Lage der Wärmelinien innerhalb des Spectrums mehr von der Beschaffenheit des glühenden Gegenstandes als von dessen Temperatur abhängt. Es hat also nur das dritte Verfahren Aussicht auf Erfolg, nach welchem die Strahlung eines auf die zu messende Temperatur erhitzten Gegenstandes mit derjenigen eines auf bekannte Temperatur gebrachten verglichen wird. Dieses Verfahren erfordert aber eine Kenntniſs der Gesetze, nach welchen sich Absorptions- und Emissionsvermögen bei wechselnder Temperatur ändern. Nach Versuchen von Nichols hat z.B. das Platin bei 1650° für den sichtbaren Theil des Spectrums ein wesentlich gröſseres Absorptionsvermögen als bei niederer.

J. Violle (Gomptes rendus, 1881 Bd. 92 S. 866 und 1204) hat die Helligkeit des vom glühenden Platin ausgesendeten Lichtes bei 775°, 954° (Schmelzpunkt des Silbers), 1045° (Schmelzpunkt des Goldes), 1500 und 1775° (Schmelzpunkte des Palladiums und Platins) bestimmt:

Intensität
λ = 656 λ = 589,2 λ = 535 λ = 482
Temperatur C D (E = 527) (F = 486)
775° 0,00300 0,00060 0,00030
954 0,01544 2,01105 0,00715 (?)
1045 0,0505 0,0402 0,0265 0,0162
1500 2,371 2,417 2,198 1,894
1775 7,829 8,932 9,759 12,16

Hieraus leitet sich folgende Gleichung ab: J = mT3(1 + εα–T)T, wobei J die Intensität, T die absolute Temperatur, m, ε und α zu bestimmende Constanten sind (vgl. 1879 233 405).

Demnach erscheint eine optische Bestimmung hoher Temperatur wohl möglich. Für technische Zwecke wird sie wenig brauchbare Resultate geben können, da hier die unvermeidlichen Verunreinigungen der atmosphärischen Luft einen wesentlichen Einfluſs auf die durchgehenden Strahlen ausüben (vgl. 1876 222 189. 1880 238 262. 1881 240 469).

F.