Text-Bild-Ansicht Band 238

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zuerst Johnston hin6), während King das Auswaschen der Bromsilber-Gelatine-Emulsion mittels Wasser durch Dialyse einführte.7)

Bis zum J. 1878 stellte man die Gelatine-Emulsion einfach in der Weise dar, daſs man in einer warmen wässerigen Gelatinelösung Bromkalium oder Bromammonium auflöste und dann bei rothem Lichte eine zur völligen Umsetzung des Bromides nicht hinreichende Menge von Silbernitratlösung zusetzte, wobei sich eine äuſserst fein zertheilte Emulsion bildet, aus welcher nach dem Erkalten und Erstarren durch Behandeln mit kaltem Wasser die löslichen Salze ausgewaschen wurden.8) Eine derartige Gelatine-Emulsion gibt Trockenplatten, welche empfindlicher sind als alle anderen bis jetzt bekannten Collodion-Trockenplatten; die Empfindlichkeit nasser Collodionplatten aber wird dadurch nicht erreicht.

Erst durch Bennett's wichtige Beobachtung holte das Bromsilber-Gelatineverfahren das nasse Collodion nicht nur ein, sondern überflügelte sogar letzteres. Derselbe theilte nämlich am 29. März 1878 mit, daſs eine Gelatine-Emulsion durch eine andauernde Digestion bei 32° bedeutend an Empfindlichkeit gewinnt.9) Da Bennett's Verfahren vortreffliche Resultate gibt und nach demselben viele Gelatine-Emulsion des Handels bereitet wird, soll es hier etwas näher beschrieben werden. Man löst 7g Bromammonium in 180cc destillirtem Wasser auf und setzt dann 20g feine Gelatine zu. Dann stellt man die Flasche in ein Wasserbad von 32° und bringt dadurch die Gelatine zur Auflösung. Andererseits löst man 11g Silbernitrat in 60cc warmen Wasser und setzt diese Lösung allmählich unter öfterem Schütteln zu der Gelatinelösung. Die letzten Reste des Silbernitrates werden mit 24cc Wasser nachgespült. Die Emulsion wird dann bei 32° durch 12 Stunden bis 7 Tage digerirt; die Empfindlichkeit wächst mit der Dauer der Digestion. Man erhält auf diese Weise Emulsionen, welche 4 bis 10 mal empfindlicher als nasse Collodionplatten sind.

Nach meinen Versuchen10) ist es nicht zu empfehlen, die Digestion über 5 bis 6 Tage auszudehnen, weil sonst leicht eine Zersetzung der Emulsion und Verschleierung der damit zugerichteten Platten eintritt. Für gewöhnlich ist eine 2 bis 3tägige Digestion die geeignetste. Digerirt man die Gelatine-Emulsion bei höherer Temperatur (60 bis

6)

British Journal of Photography, 1873 Bd. 20 S. 544. Freies Silbernitrat zersetzt sich mit Gelatine rasch, selbst bei völligem Lichtausschluſs.

7)

British Journal of Photography, 1873 Bd. 20 S. 542.

8)

Solche ältere Vorschriften sind im „British Journal Photographic Almanac for 1880“ S. 23 zusammengestellt; sie sind meist englischen Ursprunges.

9)

British Journal of Photography, 1878 Bd. 25 S. 146. Photographische Correspondenz, 1878 und 1879.

10)

Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften in Wien, April 1880 Bd. 81. – Ausführlicher beschrieben in meiner Monographie „Theorie und Praxis der Photographie mit Bromsilber-Emulsion“ (Wien 1880) und zum Theile in der Photographischen Correspondenz, 1880 Bd. 16 S. 109 ff.