Text-Bild-Ansicht Band 238

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100°), so wird die Steigerung der Empfindlichkeit in einer kürzeren Zeit erreicht. Man kann nach einem 30 Minuten langen Sieden der Gelatine-Emulsion ungefähr dasselbe erhalten als nach dem 3tägigen Digeriren bei 32°. Da man hierbei an Zeit bedeutend gewinnt, so erfreut sich die Darstellung von Gelatine-Emulsion durch Sieden einer groſsen Beliebtheit. Mansfield wendete i. J. 1879 zuerst diese Methode an11); dieselbe wurde später von Monckhoven12), Abney13) u.a. näher beschrieben.

Van Monckhoven löst 10g Gelatine in 100cc Wasser auf, gieſst den zehnten Theil davon in eine Flasche ab und löst hierin 7g Bromammonium nebst 50cc Wasser auf. In diese auf 40° erwärmte Lösung wird tropfenweise eine Lösung von 11g Silbernitrat in 60cc kaltem Wasser zugesetzt. Hierauf wird die Flasche durch „einige Minuten“ in kochendes Wasser gestellt und dann der Rest der Gelatinelösung eingetragen; durch das Zurückhalten eines Theiles der Gelatine soll die Hauptmasse derselben einer schädlichen Veränderung durch das Kochen (z.B. Verlust des Erstarrungsvermögens) entzogen werden. Nach meiner Erfahrung ist die Digestion bei 100° am besten durch 15 bis 30 Minuten vorzunehmen, damit man nicht Gefahr laufe, das Bromsilber zu zersetzen (Verschleierung).

Monckhoven gebührt auch das Verdienst, zuerst im August 1879 darauf hingewiesen zu haben, daſs die Steigerung der Empfindlichkeit der Bromsilber-Emulsion bei andauernder Digestion mit einer molecularen Aenderung des Bromsilbers verknüpft ist14), und daſs man es hier mit den verschiedenen Modifikationen des Bromsilbers zu thun habe, welche Stas schon i. J. 1874 genau beschrieben hatte15), ohne einen Zusammenhang seiner Untersuchungen mit der Photographie zu ahnen.

Damals machte Monckhoven auch die belangreiche Entdeckung, daſs die Umwandlung des Bromsilbers in die empfindlichere Modification nicht nur durch andauerndes Erwärmen, sondern auch in kürzerer Zeit durch Zusatz von etwas Ammoniak zur Gelatine-Emulsion erzielt werden könne. Diese Methode fand neben vielen Freunden auch viele Gegner, weil nicht selten sowohl die Gelatine stark angegriffen (Verlust des Erstarrungsvermögens), als auch das Bromsilber zersetzt (Verschleierung beim Entwickeln) wurde. Monckhoven selbst gab die Ammoniak-Methode später auf und nahm die oben beschriebene (Erhitzen ohne Ammoniak auf 100°) an.

11)

British Journal of Photography, 1879 Bd. 26 S. 403.

12)

Traité général du Photographie, 1880 S. 396.

13)

Abney: The practical working of the gelatine emulsion process, (London 1880) S. 20.

14)

Bulletin de la Société française de Photographie, 1879 Bd. 25 S. 204. Photographische Correspondenz, Bd. 16. S. 149.

15)

Annales de Chimie et Physique. 1874 Bd. 3 S. 94. Photographische Mittheilungen, Bd. 16 S. 165.