Text-Bild-Ansicht Band 238

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auſserordentlicher Empfindlichkeit, von noch gröſserer, als die mit ammoniakalischem Silbernitrat.

Um zu erkennen, ob bei einer dieser Methoden die Umwandlung des anfangs entstandenen weniger empfindlichen Bromsilbers in die empfindlichere Modifikation vor sich gegangen ist, genügt folgende einfache Probe. Man gieſse eine dünne Schicht der Emulsion auf eine Glasplatte und betrachte dieselbe beim Tageslichte. Enthält die Emulsion die empfindlichere Modifikation des Bromsilbers, so erscheint die Schicht bei auffallendem Lichte deutlich grün und läſst blaues oder grauviolettes Licht durchfallen. Die unempfindlichere Modifikation erscheint im auffallenden Lichte gelblichweiſs und im durchfallenden rothgelb. Zugleich wird beim andauernden Digeriren das Korn der Bromsilberpartikelchen etwas vergröſsert.18) Sobald die Emulsion genügend gereift ist, wird sie abgekühlt und nach dem Erstarren mittels eines Glasstabes oder durch Pressen durch ein groſsmaschiges Gewebe (wodurch Gelatinenudeln entstehen) zerkleinert und mindestens durch 12 Stunden in kaltem Wasser gewaschen. Dann läſst man die gewaschene Emulsion gut abtropfen, schmilzt sie durch Eintauchen in warmes Wasser und setzt ihr 5 bis 10 Procent einer alkoholischen Lösung von etwas Salicylsäure, Thymol oder Carbolsäure zu. Durch den Alkohol wird das Erstarren und Trocknen der Schicht beschleunigt und das Antisepticum conservirt die wässerige Gallerte. Da dieselbe aber in der warmen Jahreszeit dennoch einer allmählichen Zersetzung unterworfen ist, pflegt man die Emulsion in Form von Blättern zu gieſsen und zu trocknen19), in welcher Form die Gelatine-Emulsion unbegrenzt lange haltbar ist.

Die gut geputzten Glasplatten werden mit der im Wasserbade verflüssigten Emulsion überzogen, in horizontaler Lage zum Erstarren gebracht (die Zimmertemperatur soll nicht über 20° betragen20) und an der freien Luft oder in einem Trockenschranke bei mäſsiger Wärme getrocknet. Die Exposition beträgt je nach der Natur des Objectes und der Qualität der Platten ⅓ bis 1/10 der für nasse Collodionplatten erforderlichen Zeit. Je trüber der Himmel, je schlechter das Licht ist, um so mehr tritt die höhere Empfindlichkeit der trockenen Gelatine im Vergleich mit den nassen Collodionplatten hervor. Bromsilber-Gelatine zeigt eine bedeutend gröſsere Empfindlichkeit für die grünen,

18)

Vergl. meine mikroskopischen Messungen, Photographische Correspondenz, 1880 Bd. 17. S. 30.

19)

Zuerst von Kennelt vorgeschlagen im British Journal of Photography, 1874 Bd. 21 S. 291.

20)

Nach Recht erstarrt eine 4procentige Lösung von feinster Gelatine bei 15 bis 23°, im Mittel bei 20°. Der Schmelzpunkt liegt um 8 bis 9° höher (vgl. Theorie und Praxis der Photographie mit Bromsilber-Emulsionen, S. 32).