Text-Bild-Ansicht Band 238

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gelben und rothen Strahlen des Spectrums als gewöhnliches Jodbrom-Collodion.21)

Die Entwicklung der Gelatineplatten geschieht mit dem Eisenoxalat- oder Pyrogallus-Entwickler. Der erstere erfreut sich gegenwärtig einer groſsen Beliebtheit; der alkalische Pyrogallus-Entwickler wird namentlich mit einem geringen Glycerinzusatze häufig angewendet (vgl. 1880 235 376. 238 57).

Die Fixirung erfolgt in einer Lösung von unterschwefligsaurem Natron (1 : 5); Cyankalium würde die Gelatineschicht zu sehr angreifen. Erst nach dem Fixiren ist es möglich zu erkennen, ob das Negativ noch einer Verstärkung bedarf. Die bekannte Verstärkung mittels Silbernitrat und angesäuerter Pyrogalluslösung ist bei Gelatineplatten nicht mit Sicherheit anwendbar, so vortrefflich sie für Collodionplatten ist; die veränderliche Natur der Gelatine gibt allzu leicht die Veranlassung zu rothen Schleiern, welche das ganze Negativ bedecken. Man wendet mit Vorliebe die Quecksilber-Verstärkung an. Englands Methode22) besteht darin, daſs das fixirte und gewaschene Negativ mit einer Lösung von 1 Th. Quecksilberchlorid und 1 Th. Chlorammonium in 20 Th. Wasser übergössen wird, wodurch das Negativ hellgrau wird, worauf es gewaschen und durch Uebergieſsen mit verdünntem Ammoniak geschwärzt wird. – Die Edwards'sche Verstärkung23) erfordert nur die Anwendung einer einzigen Flüssigkeit und bringt den Vortheil mit sich, daſs die fixirten Negative nicht so sorgfältig vom unterschwefligsauren Natron befreit zu werden brauchen als bei der vorigen Methode. Man mischt eine Lösung von 4 Th. Quecksilberchlorid in 200 Th. Wasser mit einer Lösung von 12 Th. Jodkalium in 60 Th. Wasser und fügt zu dieser Flüssigkeit eine Lösung von 8 Th. unterschwefligsaures Natron in 60 Th. Wasser hinzu. Das damit übergossene Negativ kräftigt sich rasch und nimmt eine braunschwarze Farbe an. Die fertigen Negative werden gefirniſst (ähnlich wie Collodionnegative), weniger um sie gegen mechanische Verletzungen zu schützen, als um zu verhindern, daſs beim Copiren das Silbernitrat des Albuminpapieres in die Gelatineschicht gesaugt wird und diese bräunt.

Wegen der groſsen Empfindlichkeit der Bromsilber-Gelatineplatten muſs bei allen Operationen aktinisches Licht sorgfältig fern gehalten werden. Die beim nassen Collodion-Verfahren eingebürgerten gelben Scheiben genügen in diesem Falle nicht; man wendet allgemein dunkelrothe Gläser (Kupferoxydulglas) an.

21)

Die Empfindlichkeit reicht bei lange digerirter Gelatine-Emulsion vom Ultraviolett bis ins Ultraroth (vgl. Monckhoven, Bulletin de l'Association Belge de Photographie, 1879 Bd. 6 S. 18).

22)

Photographic News, 1880 Bd. 24 S. 173 und 237.

23)

Photographic News. 1879 Bd. 23 S. 514. Photographische Mittheilungen, 1880 Bd. 16 S. 240.