Text-Bild-Ansicht Band 238

Bild:
<< vorherige Seite

Um die Unannehmlichkeit, bei schwachem rothen Licht arbeiten zu müssen, zu beseitigen, schlug Abney vor, die Empfindlichkeit der Gelatine für das rothe Ende des Spectrums durch künstliche Zusätze zu vermindern; er erreicht dies durch einen Zusatz von ⅙ bis 1/24 Jodsilber zur Bromsilber-Emulsion.24) In der That ist die Jodbromsilber-Gelatine-Emulsion für gelbes und rothes Licht sehr wenig empfindlich und zwar um so weniger, je mehr Jodsilber sie enthält, und man kann in Folge dessen bei hellerem orangefarbigem Lichte operiren. Leider aber wird durch den Zusatz von Jodsilber auch die Empfindlichkeit gegen weiſses Licht herabgedrückt, was sich in der praktischen Photographie unangenehm bemerklich macht.

Die von einigen Seiten vorgeschlagenen Jodbromchlorsilber-Emulsionen25) muſs ich als unpraktische Gemische bezeichnen.

Die Anwendung des Bromsilber-Gelatine-Verfahrens erstreckt sich auf alle Zweige der Photographie. Bei Aufnahmen im Freien (Landschaften u. dgl.) hat dasselbe alle anderen Trockenverfahren verdrängt; Momentaufnahmen im wahrsten Sinne des Wortes sind nichts weniger als Seltenheiten mehr. Die Hauptschwierigkeit besteht nur darin, die richtige Expositionszeit zu treffen, weil Bruchtheile einer Secunde schon eine Ueberexposition zur Folge haben können.26) Im Atelier zu Porträt-Aufnahmen aber werden Gelatineplatten nur ausnahmsweise verwendet; daselbst herrscht im Allgemeinen noch das altgewohnte und allbekannte nasse Collodionverfahren, hauptsächlich deshalb, weil das Entwickeln, Verstärken und Fixiren der Gelatineplatten bedeutend mehr Zeit in Anspruch nimmt als bei Collodionplatten.

Gelatine-Emulsion auf Papier wird nicht nur im negativen Proceſs an Stelle der schweren transportablen Glasplatten zu Landschaftsaufnahmen benutzt, sondern auch im positiven Copirproceſs. Exponirt tfian ein derartiges Papier unter einem Negativ 30 bis 60 Secunden dem Lichte einer Gasflamme und entwickelt das Bild dann mit Eisenoxalat, so erhält man schöne ausgearbeitete Copien von blauschwarzer Farbe. Morgan und Comp. in Greenwich behaupten, auf diese Weise bei Gaslicht in 5 Minuten 50 Abdrücke auf Papier machen zu können.27)

Durch die Vermehrung der Leuchtkraft des Gaslichtes wurde es möglich, mittels der Gelatineplatten sogar Porträte bei Gaslicht zu eräugen. Laws in Newcastle hat in seinem Atelier eine Wigham'sche

24)

Photographic News, 1880 Bd. 24 S. 196. Photographische Correspondenz, 1880 Bd. 17 S. 85. Er empfiehlt 15 Th. Jodkalium, 120 Th. Bromammonium, 190 Th. Gelatine, 216 Th. Silbernitrat und 960 Th. Wasser.

25)

Barker, Photographic News, 1880 Bd. 24 S. 285 u.a.

26)

Es wäre von höchster Wichtigkeit, einen Momentverschluſs für die photographischen Objective zu construiren, der die Abmessung der Expositionszeit nach Bruchtheilen einer Secunde vorzunehmen gestattet; die Lösung dieser Aufgabe wurde mehrfach versucht, ohne daſs bis heute ein zufriedenstellendes Resultat erzielt worden wäre.

27)

Photographic News, 1880 Bd. 24 S. 318.