Text-Bild-Ansicht Band 236

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werden, dass oft die irrige Ansicht herrscht, festes Eisen sei specifisch leichter als geschmolzenes, weil ersteres auf letzterem schwimmt. Dies beruht jedoch auf einer ungenauen Beobachtung, wie aus nachstehenden Versuchen zur Genüge hervorgeht. Jedes in geschmolzenes Roheisen geworfene oder frei eingetauchte Eisenstück sinkt in ersterem bis zu einer gewissen Tiefe nieder, erhitzt sich dadurch, vergrössert sein Volumen und tritt erst an die Oberfläche, nachdem die erlittene Ausdehnung so gross geworden ist, dass das Gewicht der von ihm verdrängten flüssigen Masse sein eigenes Gewicht übersteigt.

Zur bequemen Beobachtung des Verhaltens von Eisenkugeln, welche in flüssiges Eisen eingetaucht worden sind, ist eine Federwage mit rundem Zifferblatt und darauf drehbarem Zeiger sehr geeignet. Man befestigt ringförmig um den äusseren Rand des Zifferblattes, jedoch ohne die Ziffern zu bedecken, einen Papierstreifen. An die Schale hängt man eine steife eiserne Stange von etwa 1k Schwere und markirt auf dem Papierstreifen die Stelle, welche der Zeiger in Folge dessen einnimmt. In diesem Zustand stellt man die Wage über einen Behälter mit flüssigem Eisen so auf, dass das untere Ende der Stange unmittelbar über dem Eisenspiegel schwebt; befestigt man nun an demselben eine eiserne Kugel derart, dass dieselbe in dem geschmolzenen Eisen schwimmt, so müsste, wenn die specifischen Gewichte der Kugel und des flüssigen Eisens gleich wären, die Stellung des Zeigers unverändert bleiben. Dies ist indessen, wie wir gleich sehen werden, nicht der Fall. Unmittelbar nach dem Eintauchen gibt der Zeiger ein höheres Gewicht an, geht dann sehr rasch bis über die zuerst gezeichnete Stelle zurück und kommt erst zum Stillstand, nachdem die Kugel zum grössten Theil über der Oberfläche sichtbar geworden ist. Von dem Augenblick ab, wo die Kugel zu schmelzen beginnt, macht der Zeiger den umgekehrten Weg und bleibt schliesslich auf der ersten Marke stehen. Diese Zeigerbewegung lässt sich, unter Berücksichtigung der zwischen den einzelnen Zeigerstellungen verlaufenen Zeiträumen, zur Aufzeichnung von Diagrammen auf dem Papierstreifen benutzen, aus welchem das Gewichtsverhältniss zwischen flüssigem und festem Eisen in jedem Augenblick ersichtlich ist. Es wurden beispielsweise 5 Kugeln von verschiedener Grösse in die geschmolzene Masse eingetaucht und dabei Folgendes beobachtet:

Nr. Durchmesser Gewicht 1. Versuch 2. Versuch
1 2,54cm 0,057k 5 Sec. 3 Sec.
2 5,08 0,496 25
3 7,62 1,644 20 15
4 10,16 3,657 6 15
5 12,70 7,654 5 10.

(Die verzeichneten Secunden geben den Zeitunterschied zwischen dem Eintauchen und Wiedererscheinen der Kugeln an der Metalloberfläche an.)

Die auf den ersten Augenblick auffallenden Zeitunterschiede im Aufsteigen der Kugeln haben ihren Grund lediglich in dem verschiedenen