Text-Bild-Ansicht Band 236

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Verhältniss zwischen Oberfläche und Inhalt derselben. Kugel Nr. 1 stieg am schnellsten, weil in Folge ihrer geringen Masse die Hitze sehr rasch bis zum Mittelpunkt vorgedrungen war, was bei Nr. 2 und 3 nicht in dem Masse der Fall sein konnte. Da nun bei Kugeln die Oberflächen sich wie die zweiten und die Inhalte wie die dritten Potenzen der Durchmesser verhalten, so brauchte bei den schwereren Kugeln Nr. 4 und 5 die Erhitzung in linearer Richtung weniger tief in das Innere vorzudringen, um die zum Steigen erforderliche Verminderung des specifischen Gewichtes zu erzeugen, als bei Nr. 2 und 3.

Genau umgekehrt, wie ein in flüssigem Eisen sich erhitzendes und schmelzendes, festes Eisenstück, muss sich eine flüssige und allmählich erstarrende Eisenmasse verhalten. Wir finden dies in der That bei Beobachtung frisch angefertigter Gussstücke. Die Form wird gewöhnlich in linearer Richtung 1 Proc. grösser gemacht, als das Gussstück nach dem Erkalten sein soll. Trotzdem dehnt sich das Eisen unmittelbar nach dem Eingiessen aus; den Beweis dafür finden wir in der scharfen Auszeichnung sämmtlicher Kanten und Ecken in der Formmasse. Sobald aber die äussere Haut erstarrt, zieht dieselbe sich zusammen und übt einen gewaltigen Druck auf die innere noch grossentheils flüssige Masse, so dass dieselbe theilweise aus der Eingussöffnung herausquillt. Dieser Vorgang ist, nebenbei bemerkt, von ausserordentlicher Wichtigkeit für das Zustandekommen dichter Güsse. Sobald die innere Masse nun aber ebenfalls zu erstarren beginnt, zieht sich ein Theil des emporgequollenen Metalles wieder in den zuerst gebildeten Mantel zurück. Wir haben also zunächst eine kurze schnelle Abnahme und darauf folgende stetige Zunahme des specifischen Gewichtes vom Augenblick des Eingiessens in die Form bis zur vollendeten Erstarrung.

Um die auf einander folgenden Aenderungen des specifischen Gewichtes von festen Eisenstücken, welche in geschmolzenem Eisen erhitzt werden, genau graphisch darstellen zu können, haben Elliott Brothers in London einen Apparat construirt mit einem senkrecht stehenden und durch ein Uhrwerk gleichförmig drehbaren Cylinder, welcher mit Papier überkleidet wird. Der gegen den Cylindermantel federnd angedrückte Schreibstift steckt an dem Ende des Zeigers der Federwage, an welcher das einzutauchende Eisenstück hängt. Während nun der Zeiger beim Erhitzen des Eisenstückes in der Flussmasse senkrecht auf- und abgehende Bewegungen macht und der Cylinder durch das Uhrwerk in Drehung versetzt ist, zeichnet der Schreibstift auf letzterem eine stetige Curve als Diagramm der zu beobachtenden Erscheinungen. Die mit diesem Instrument ausgeführten Versuche stimmen genau mit den oben angegebenen Resultaten überein.

– r.