Text-Bild-Ansicht Band 236

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zurückzuhalten, sowie eine luftdicht verschliessbare Thür D, welche geöffnet werden kann, um den Rost zu entfernen und die Retorte zu entleeren. Zum Füllen der Retorte wird der ebenfalls luftdicht verschliessbare Deckel E geöffnet.

Sind die Retorten auf 550° erhitzt, so öffnet man die Ventile f und lässt durch das mit einem Dampfkessel verbundene Rohr H (Fig. 7), welches in das mit Seitenlöchern versehene Ende des Rohres F hineinragt, Dampf einströmen, so dass gleichzeitig Luft durch die Löcher eingesaugt und mit dem Dampf gemengt wird. Das Verhältniss der eingesaugten Luft kann durch einen Schieber h geregelt werden, den man mehr oder weniger über die Löcher des Rohres F schieben kann. Das Gemenge von Luft und Dampf gelangt durch den Rost r in die erhitzte Masse C Der Sauerstoff der Luft und des Dampfes soll sich nun mit dem Kohlenstoff verbinden, der atmosphärische Stickstoff mit dem frei werdenden Wasserstoff des Dampfes Ammoniak bilden, welches durch das Rohr G entweicht und in geeigneter Weise verdichtet werden kann.

Nach einem andern Verfahren sollen die Retorten mit Kohlenstoff haltigen Substanzen, gemengt mit Alkalien oder alkalischen Erden, gefüllt, auf etwa 1000° erhitzt werden, während nur Luft durch das Rohr F eingeführt wird. Nun wird der Inhalt auf etwa 550° abgekühlt und ein Gemisch von Dampf und Luft oder Dampf allein eingeblasen, wodurch ebenfalls Ammoniak gebildet wird.

Zur Herstellung und Verwendung der Ammoniaksoda.

Mit Abbildungen auf Tafel 7.

Während man beim Löschen von gebranntem Kalk mit Wasser das Kalkhydrat in einem pulverförmigen oder breiigen Zustande erhält, welcher seine Verwendung in der Sodafabrikation erschwert, will E. Solvay in Brüssel (* D. R. P. Nr. 8180 vom 5. Juli 1879) den Kalk mittels einer Lösung von Chlorcalcium oder Chlorammonium löschen, um so das Kalkhydrat in Stücken und Körnern zu erhalten. Mittels dieses granulirten Kalkes kann man nun das in Lösung befindliche Chlorammonium selbst ohne Erwärmung vollständig zersetzen, indem man es nur mit dem Kalke in innige Berührung bringt. Dadurch ist es möglich, bei der Darstellung von Soda mittels Ammoniak die Zersetzung des Chlorammoniums durch Kalk von der Destillation des frei gewordenen Ammoniaks zu trennen, indem man die Salmiaklösung über den mit Chlorcalcium gelöschten Kalk fliessen lässt, die erhaltene Lösung aber in besonderen Apparaten abdestillirt.