Text-Bild-Ansicht Band 236

Bild:
<< vorherige Seite

Ueber Wolframbronze.

Die zuerst von Wähler durch Reduction von schmelzendem saurem wolframsaurem Natrium im Wasserstoffstrome dargestellte, schöne, goldgelbe Verbindung, welcher man nach Malaguti allgemein die Formel Na2WO4.WO3.WO2 beizulegen pflegt, wird bekanntlich weder durch Alkalien, noch durch Säuren – Flusssäure ausgenommen – angegriffen.

J. Philipp und P. Schwebel (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1879 S. 2234) haben nun gefunden, dass diese Bronze durch Erhitzen mit einer Silberlösung leicht unter Abscheidung von metallischem Silber zersetzt wird; ammoniakalische Silberlösung bewirkt diese Zersetzung schon in der Kälte. Die dadurch ermöglichte Analyse der Wolframbronze führte zur einfachen Formel NaWO3.

In ähnlicher Weise wie auf ammoniakalische Silberlösung wirkt die fein gepulverte Wolframbronze übrigens auch auf die alkalischen Lösungen anderer Verbindungen ein; so wird u.a. in der Siedehitze aus alkalischen Kupferlösungen Kupfer, aus alkalischen Quecksilberlösungen Quecksilber reducirt. In kochender alkalischer Lösung von Ferridcyankalium, auch in einer solchen von unterchlorigsaurem Natrium löst sich die Wolframbronze ohne weiteres auf.

Verfahren, um Anilinbronze irisirend zu machen.

E. Lewinsohn in Berlin (* D. R. P. Nr. 7948 vom 13. März 1879) bringt die mit einer Lösung von 300g Fuchsin und 200g Schellack in 3l Alkohol bestrichenen künstlichen Blumen, Gräser u. dgl. in einen Kasten, auf dessen Boden sich eine Schicht Chlorkalk befindet, welcher von unten erwärmt wird. Je nach der gewünschten Farbenveränderung lässt man die Gegenstände längere oder kürzere Zeit in dieser Chloratmosphäre.

Zur Bestimmung des Chroms.

Th. Wilm zeigt in den Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft, 1879 S. 2223, dass bei der Bestimmung des Chromoxydes durch Fällen mit Ammoniak stets aus den verwendeten Glasgefässen gelöster Kalk mit niederfällt, welcher beim Glühen Calciumchromat bildet und dadurch Fehler bis zu 2,6 Proc. bewirkt.

Zur Kenntniss der Salpeterbildung.

In Fortsetzung ihrer Versuche (1879 234 431) über die Bildung der Salpetersäure im Boden zeigen Th. Schlösing und A. Müntz (Comptes rendus, 1879 Bd. 89 S. 891 und 1074), dass Kanalwasser nach dem Erhitzen auf 1100 unverändert bleibt, wenn keine Sporen aus der Luft hinzutreten können. Fügt man aber etwas Ackererde hinzu und leitet atmosphärische Luft hindurch, so treten bald Nitrate auf. Gleichzeitig bilden sich längliche Organismen, welche den Bacterien sehr verwandt sind, sich aber durch Knospenbildung vermehren, häufig in Form zweier länglicher oder runder, an einander gereihter Zellen auftreten und bei 100° rasch getödtet werden.

Wie bei allen durch Organismen hervorgerufenen Processen ist auch hier die Temperatur von grossem Einfluss auf die Salpeterbildung. Unter 5° ist sie fast Null; erst bei 12° wird sie merklich, um bei 37° ihren Höhepunkt zu erreichen und bei 55° völlig zu erlöschen.

Sehr wesentlich ist der Zutritt des atmosphärischen Sauerstoffes, eine Bedingung, die im lockeren Boden am vollkommensten erreicht wird. Bei Flüssigkeiten steht dem entsprechend, unter sonst gleichen Bedingungen, die Menge des gebildeten Salpeters im directen Verhältniss zur Ausdehnung der Oberfläche. Eine fernere Bedingung für die Salpeterbildung ist ein gewisser Feuchtigkeitsgrad des Bodens. Trocknet die Erde aus, so werden die Organismen getödtet, die Salpeterbildung gehemmt; zu grosse Feuchtigkeit hindert den Zutritt des atmosphärischen Sauerstoffes. Erforderlich ist auch eine schwach alkalische Reaction; doch hemmt bereits ein Gehalt von 0,3 Proc. kohlensaures Alkali die Salpeterbildung.