Text-Bild-Ansicht Band 236

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(Freiberg 1876 S. 6) den dem neuen Verfahren zu Grunde liegenden Gedanken – Zerfallen des Bessemerprocesses in zwei Phasen, nämlich in eine erste, welche die Verbrennung des Kohlenstoffes und des Siliciums durch den Luftsauerstoff bewirkt, und in eine zweite, bei welcher hoch gespannter Wasserdampf durch die Metallsäule gepresst wird, der aus dem vorhandenen Phosphoreisen den Phosphor in Gestalt von Wasserstoffverbindungen entfernt – in klarster Weise ausgesprochen hat.1)

Rudolf v. Wagner

Universität Würzburg, 22. März 1880.

Darstellung von Soda aus Sulfat mittels Kalk und Schwefel; von F. Gutzkow in San Francisco.

Zu den Eigenthümlichkeiten der californischen Industrie gehört die seit vielen Jahren unverhältnissmässig stark betriebene Fabrikation von Salpetersäure, welche in grosser Menge zur Affinage an der hiesigen Münze und zur Erzeugung von Nitroglycerin verwendet wird. Das dabei abfallende schwefelsaure Natron benutzte man bisher zur Auffüllung von Baugründen. Beiläufig bemerkt, sind dazu hier schon viel werthvollere und noch ungeeignetere Dinge verwendet worden, wie mancher europäische Importeur, der in den „Goldjahren“ mithalf, einer Bevölkerung von hunderttausend Menschen den Bedarf einer Nation zuzuführen, mit einem Seufzer bestätigen wird. Vor einigen Jahren sendete eine englische Firma, welche von der Werthlosigkeit des Natriumsulfats gehört hatte, einen sachkundigen Mann aus, um zu untersuchen, ob die Anlage einer Sodafabrik sich lohnen würde. Nach einigen Erkundigungen über die hiesigen Preise von Kohle, Kalkstein u.s.w. kehrte derselbe aber voll Schauder nach England zurück. Die Errichtung einer Papierfabrik, welche künstliches Calciumsulfat als „Füllstoffe“ verwenden wollte, auch einer Lauge von kaustischer Soda bedurfte, gab mir Veranlassung, eine Verwerthung jenes schwefelsauren Natrons durch Darstellung von Soda zu versuchen.

Nach diesem Verfahren (Nordamerikanisches Patent Nr. 198 293 vom 18. December 1877) wird eine Lösung von Natronsulfat mit Calciumsulfit versetzt, dann schweflige Säure eingeleitet. Es bildet sich lösliches Calciumbisulfit, das sich in Calciumsulfat und Natriumbisulfit umsetzt. Beide werden durch Filtration getrennt und der Gyps mit heissem Wasser ausgewaschen. Nach dem Patente sollte die Natriumbisulfitlösung durch Kochen wenigstens theilweise zu einer Natriumsulfitlösung umgewandelt und die entwickelte schweflige Säure im Process verwerthet werden. Doch kam ich davon wegen

1)

Vgl. auch Wagner's Jahresbericht der chemischen Technologie, 1876 S. 111.