Text-Bild-Ansicht Band 236

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wohl der beste Beweis, wie wenig wir bis jetzt im Stande sind, hohe Temperaturen mittels des Spectroskopes, des Thermomultiplicators und ähnlicher Apparate auch nur annähernd zu bestimmen. (Vgl. F. Fischer: Chemische Technologie der Brennstoffe, 1880 S. 54.)

Ueber eine akustische Methode der Dampfdichte-Bestimmung.

Das specifische Gewicht von Gasen und Dämpfen versucht H. Goldschmidt (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1880 S. 769) auf akustischem Wege zu bestimmen. Bekanntlich ist die Schwingungszahl n eines Tones proportional dem Ausdruck

, worin e die Elasticität des schwingenden Mediums bedeutet, d die Dichte und k das Verhältniss der specifischen Wärme bei constantem Druck und bei constantem Volumen, e ist nun bei allen Gasen gleich, die Werthe von k differiren zwar, doch so wenig, dass man sie gleich setzen kann. Das Verhältniss der Dichten d und D zweier Gase, welche, nach einander in derselben Röhre in Schwingungen versetzt, Töne von den Schwingungszahlen n und N liefern, wird also durch folgende Gleichung ausgedrückt:
.

Da man die Gasdichten auf Luft als Einheit bezieht, so wird

, und wir erhalten:
.

Zur Ausführung der Versuche wurde ein mit Luft gefülltes Rohr angeklopft und der erhaltene Ton auf einer Violine aufgesucht. Dann wurde die Luft im Rohre durch das Gas verdrängt und abermals der Ton bestimmt. Die erhaltenen Resultate stimmen befriedigend.

Zur Bestimmung der Dampfdichte wurde ein Rohr mit 0,2 bis 0g,5 der zu untersuchenden Substanz beschickt, mit einem Gummistopfen geschlossen, in welchem ein ausgezogenes Rohr steckt und im Wasserdampf zum Siedepunkt der Substanz erhitzt. Da der Ton der mit Luft gefüllten Röhre bei der Zimmertemperatur t bestimmt wurde, der Ton des Dampfes dagegen bei 100°, so gestaltet sich die Formel zur Berechnung der Dampfdichte:

Indische Cigaretten.

Die von Grimault und Comp. in Paris in den Handel gebrachten, indischen Cigaretten aus Cannabis indica sollen angeblich nur aus indischem Hanfkraut gefertigt sein. H. Braun (Zeitschrift des österreichischen Apothekervereines, 1880 Nr. 11) findet jedoch, dass sie lediglich Belladonnablätter enthalten.

Gummilack aus Arizona und Californien.

Auf den trockenen Ebenen von Arizona und Californien wachsen in grosser Anzahl die beiden Sträuche Larrea Mexicana und Acacia greggii, welche einen harzigen Stoff ausscheiden. Dieses Harz bildet nach J. M. Stillman (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1880 S. 754) eine Inkrustation von gleichem Aussehen wie der Stocklack aus Indien.

Der Arizona-Stocklack ist wie der indische von rothbrauner Farbe, spröde und hat eine unregelmässige zellige Structur; in diesen Zellen werden häufig die Säcke eines Insektes gefunden mit purpurrothem Saft und vielen Eiern. Der Lack hat zumal beim Erwärmen einen eigenthümlichen aromatischen Geruch, enthält einen schön rothen Farbstoff, der in Wasser theilweise löslich ist. Schon bei geringer Wärme wird er weich, ist theilweise löslich in Alkohol mit hellrother Farbe, beinahe vollständig in verdünnter Kalilauge, deren Lösung eine purpurrothe Farbe besitzt. Das Harz des Lacks ist auch in verdünnter Boraxlösung mit rother Farbe in' der Siedehitze löslich; diese Lösung besitzt einen eigenthümlichen süssen Geruch. Dieser Lack verhält