Text-Bild-Ansicht Band 236

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Ueber die Zweckmässigkeit von Papiertonnen, welche von verschiedenen Seiten zur Verpackung des Cementes empfohlen worden sind, theilt Dr. Hugo Delbrück mit, dass er sich von der Brauchbarkeit der Tonnen durch die verschiedensten Handhabungen überzeugt habe; doch stellten sich ihrer Einführung der hohe Preis und das beträchtliche Gewicht entgegen.

Dr. Schumann referirt über Erfahrungen und Vorsichtsmassregeln bei Ausführung der Probe auf Treiben des Cementes und macht darauf aufmerksam, dass bisweilen in Folge ungenügender Kenntniss der Eigenschaften des Cementes Risse, die in Cementkuchen beim Abbinden entstehen, fälschlich für ein Symptom von Treiben gehalten würden und durch solche Verwechselungen leicht unliebsame Beanstandungen der Waare entständen. Es könne wohl als allgemein bekannt gelten, dass Kuchen, besonders aus langsam bindendem Cement, welche nach dem Abbinden zu früh ins Wasser gelegt werden, rissig werden. Weniger scheine bekannt zu sein, dass Cementkuchen, welche während des Abbindens der Einwirkung der trocknenden Zugluft oder des Sonnenscheines ausgesetzt sind, ebenfalls Risse bekommen, die mit Treibrissen durchaus nichts gemein haben, und zwar um so stärkere und zahlreichere Risse, je langsamer sie abbinden und je stärker der Zug ist. Dieses Verhalten ist eine einfache Folge der durch ungleiche Trocknung hervorgebrachten ungleichmässigen Schwindung. Nur ganz rasche, in 10 bis 15 Minuten abbindende Cemente erhielten, selbst wenn sie starker Zugluft ausgesetzt wurden, keine Risse, da bei diesen in Folge des raschen Erstarrens keine Gelegenheit zu ungleichmässiger Schwindung gegeben ist. Für die Unterscheidung der Luft- oder Schwindungsrisse von den Treibrissen ist charakteristisch, dass die Schwindungsrisse bereits während des Abbindens, also innerhalb der ersten Stunden entstehen, die Treibrisse erst später. Treibrisse klaffen am Rande des Kuchens am weitesten, haben meist eine centrale Richtung und sind von einer Verkrümmung des Kuchens begleitet; Schwindungsrisse sind in der Mitte des Kuchens am breitesten und verengern sich nach den Kanten zu, haben unregelmässige Richtung und bilden oft in sich zurücklaufende Curven. Cementkuchen mit Schwindungsrissen bleiben auf der unteren Fläche stets eben. Schumann empfahl der Versammlung die Annahme folgender Resolution, welcher zugestimmt wurde: Luft- oder Schwindungsrisse, welche bei der Probe auf Treiben während des Abbindens von Cementkuchen entstanden sind, lassen nicht auf fehlerhafte oder gar treibende Eigenschaften des Cementes schliessen. Zu ihrer Vermeidung empfiehlt es sich, um Irrthümern vorzubeugen, die Cementkuchen, welche zur Probe auf Treiben dienen sollen, bis zum Einlegen in Wasser vor Zug und Sonnenschein zu schützen. Das bauende Publicum ist auf den Unterschied zwischen Treibrissen und Luft- oder Schwindungsrissen speciell aufmerksam zu machen.