Text-Bild-Ansicht Band 236

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Der Freienwalder Sand besteht fast nur aus Quarz und gibt im ungewaschenen Zustand etwas höhere Festigkeit als im gewaschenen, was durch mehrfache Versuche festgestellt worden ist.

Dr. C. Schumann bestätigt die Thatsache, dass sich in der Natur Sandsorten finden, welche eine höhere Festigkeit als Normalsand liefern, und hat dieses Verhalten bei 3 Sandsorten gefunden: bei grobkörnigem Sand, aus dem Rhein gebaggert, bei einem Grubensand aus der Nähe von Biebrich und einem Grubensand aus Nürnberg. Weit häufiger tritt allerdings das Gegentheil ein, und es kann unter Umständen das Gelingen einer Cementarbeit durch die Qualität des Sandes geradezu in Frage gestellt werden. So hat Schumann i. J. 1877 einen in der Praxis verwendeten Sand untersucht, der im Verhältniss von 3 : 1 Cement nach 28 Tagen nur 2k Festigkeit lieferte, während Normalsand mit demselben Cement 14k ergab. Ein anderer sehr gut aussehender Sand ergab bei demselben Mischungsverhältniss nach 7 Tagen noch gar keine, nach 28 Tagen 10k,5 Festigkeit, während Normalsand nach 7 Tagen 10k,4, nach 28 Tagen 15k,6 bei einer Bindezeit des Cementes von 1 Stunde lieferte. Der fragliche Sand enthielt nur 1,3 Procent an Bestandtheilen, die durch Waschen sich entfernen liessen; allein die Verunreinigungen hafteten ausserordentlich hartnäckig an den Sandkörnern. Der gewaschene Sand ergab nach 7 Tagen 9k, nach 28 Tagen 15k,6 Festigkeit. Angesichts solcher Thatsachen sollten die Cementconsumenten namentlich bei grösseren Bauten nicht unterlassen, die zu Gebot stehenden Sandsorten durch Vergleich mit Normalsand auf ihre Eigenschaften zu prüfen und erforderlichenfalls den zu verwendenden Sand zu waschen.

Rud. Dyckerhoff weist darauf hin, dass schon ein geringer Thongehalt des Sandes die Festigkeit wesentlich beeinträchtigt, wenn der Thon sehr fest an der Oberfläche der Sandkörner haftet, dass dagegen ein Zusatz von Thon oder Lehm bis zu mehreren Procent, wie Versuche ihm dies gezeigt haben, die Festigkeit nicht vermindern, wenn der Thon oder Lehm dem Sand nur lose beigemischt ist.

Dyckerhoff's Beobachtungen finden durch Erfahrungen, welche Dr. Heintzel gemacht hat, Bestätigung. Dieser prüfte 2 Sandsorten A und B, welche in ungewaschenem Zustand mit demselben Cement im Verhältniss von 3 Sand : 1 Cement folgende Festigkeiten lieferten:

Sand A in 7 Tagen 12k,0, in 28 Tagen 17k,6
B 4k,3, 9k,5.

Beide Sandsorten waren Quarzsande mit sehr wenig Feldspath. Beim Einschlagen der Proben fiel auf, dass der Mörtel mit Sand A leicht Wasser abstiess, während derjenige mit Sand B trockener blieb; der erstere Mörtel band in etwa ¾ Stunden, der letztere schon in 10 Minuten ab. Beim Waschen ergab sich, dass Sand A nur 0,2 Proc. Sand B 0,7 Proc. thonige Verunreinigungen enthielt. Nach dem Waschen