Text-Bild-Ansicht Band 236

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Differentiallampe für getheiltes elektrisches Licht.

Mit Abbildungen.

Die neue Lampe von Siemens und Halske in Berlin (* D. R. P. Kl. 21 Nr. 8654 vom 16. April 1879 und Zusatz * Nr. 8900 vom 14. August 1879) in Verbindung mit den aus der gleichen Firma hervorgegangenen neuen Wechselstrom-Maschinen hat sich seit den wenigen Monaten ihres Bestehens bereits so gut bewährt und in Folge dessen eine so weite Verbreitung gefunden, dass es in der That den Anschein gewinnt, als ob mit ihrem Auftreten einer der wesentlichsten von den bisher im elektrischen Beleuchtungswesen gemachten Fortschritte erzielt sei.

Diese Lampe löst die allseitig angestrebte Aufgabe der Theilung des elektrischen Lichtbogens1)bei Anwendung von selbstthätigen Regulatoren. Es geschieht dies im Wesentlichen dadurch, dass nicht nur, wie bei den bisherigen elektrischen Lampen, die im gesammten Leitungskreise thätige Stromstärke den Abstand der Kohlenstäbe regulirt, sondern dass durch eine angebrachte Nebenschliessung der Leitungswiderstand jedes einzelnen Lichtbogens sich selbstthätig corrigirt. Dieses Princip der Anwendung von Nebenschliessungen des Lichtbogens zur Regulirung desselben ist von Dr. Werner Siemens schon bei früheren Lampenconstructionen in Anwendung gebracht worden. Es war auch eine darauf basirte Lampe von Siemens und Halske schon auf der Wiener Weltausstellung 1873 ausgestellt; doch gelang es erst in neuester Zeit v. Hefner-Alteneck, durch Einführung einer eigenthümlichen Differential Wirkung des elektrischen Stromes und durch Verbesserung des Lampenmechanismus überhaupt, sehr einfache und vollkommen sicher functionirende Lampen zu construiren, welche die Aufgabe vollständig lösen.

Vor den Jablochkoff'schen Kerzen bieten diese sogen. Differentiallampen den grossen Vortheil, dass ein Erlöschen der Lichter des Kreises nicht eintreten kann, wenn nicht ein Stillstand der Maschine oder ein Bruch der Leitung eintritt, und dass die Lampen jederzeit selbstthätig ihr Licht wieder anzünden, so oft die Maschine in Gang gesetzt wird. Auch kann man vorübergehend die eine oder die andere Lampe erlöschen lassen, ohne die übrigen Lichter im gleichen Stromkreise zu schädigen. Die Lampenbeleuchtung hat daneben noch den weiteren Vorzug vor der Kerzenbeleuchtung, dass die Kosten der Kohlenstäbe geringer sind als die der Kerzen, so dass die Betriebskosten einer elektrischen Beleuchtung unter Umständen sich schon jetzt bedeutend niedriger stellen als für die Gasbeleuchtung.

Bei den bisher gebräuchlichen elektrischen Lampen wird bekanntlich die Regulirung der Länge, des Lichtbogens dadurch bewirkt, dass der elektrische Strom zu einer Kraftäusserung unter Ueberwindung einer Feder oder eines Gewichtes, in Verbindung mit entsprechenden Mechanismen, verwendet wird, wobei für die zu erzielende Länge des elektrischen Lichtbogens der Augenblick massgebend ist, in welchem die Kraftäusserung des elektrischen Stromes der constant entgegenwirkenden Kraft der Feder oder des Gewichtes das Gleichgewicht hält. Da dieser Augenblick nur bei einer bestimmten Stromstärke eintritt, so kann eine sich gleichbleibende Länge des elektrischen Lichtbogens nur dann erhalten werden, wenn alle andern Factoren, die ebenfalls auf die Stromstärke von Einfluss sind, also die elektromotorische Kraft der Stromquelle und der Widerstand im übrigen Schliessungskreise, constant

1)

Zu unterscheiden von der bei Erzeugung von Glühlichtern leicht zu erzielenden Vertheilung des Lichtes, wie z.B. bei den Anordnungen von Reynier (1878 227 * 399. 1879 231 285. 1880 235 319), Werdermann (1879 231 * 34. 1880 235 319), Marcus (1879 231 * 423. 1880 235 318), Edison (1880 236 252). – Wir verweisen hierbei auf den erschöpfenden Vortrag über die Theilung des elektrischen Lichtes, welchen Fr. v. Hefner-Alteneck am 24. Februar im „Elektrotechnischen Vereine“ gehalten hat und welcher in der Elektrotechnischen Zeitschrift, 1880 S. 80 abgedruckt ist.