Text-Bild-Ansicht Band 236

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erhalten werden. Die erwähnte Kraftäusserung des elektrischen Stromes besteht bekanntlich in der Anziehung eines vom Strome umflossenen Elektromagnetes auf einen vorliegenden Anker, oder in der anziehenden Kraft, welche eine vom Strome umkreiste Drahtspule auf einen in sie hineinragenden Eisenkern ausübt, o. dgl. Bei der neuen Differentiallampe wird an die Stelle der Gewichts – oder Federkraft, welche der Kraftäusserung des elektrischen Stromes entgegenwirkt, die Anziehung einer zweiten Spule oder eines Elektromagnetes, welcher von einem Zweigstrome durchlaufen wird, gesetzt. Ausser der erwähnten Gegeneinanderwirkung der beiden Spulen u.a. ist keine andere Kraft auf das bewegliche System thätig, welches an und für sich ganz oder theilweise äquilibrirt ist.

Fig. 1., Bd. 236, S. 421
Durch Fig. 1 ist das Regulirungsprincip der für Siemens und Halske (* D. R. P. Kl. 21 Nr. 5031 vom 19. October 1878) patentirten neuen Lampe erläutert, a und b sind die beiden Kohlenhalter, g und h die Kohlenstäbe; cc1 ist ein um den Punkt d drehbarer Hebel. Bei e ist der Kohlenhalter a mit dem Theile c1 des Hebels verkuppelt. Diese Verbindung ist aber derart, dass sie in der untersten Stellung der Seite c1 des Hebels ausgelöst wird. Es fällt darauf der Halter a gegen die untere Kohle herunter, wobei die Geschwindigkeit dieses Falles durch ein kleines Hemmrad mit Pendel gemässigt wird. Die unterste Stellung der rechten Seite c1 des Hebels tritt aber jedesmal in der Ruhe ein, in Folge des verschiebbaren Uebergewichtes P des Hebels. Tritt ein elektrischer Strom ein, so zieht dieser den Eisenstab S in die Spule hinein, das rechte Ende c1 des Hebels verlässt seine unterste Stellung, wobei der Halter a sofort wieder mit ihm verkuppelt und mit in die Höhe gehoben wird. Dadurch entsteht der elektrische Lichtbogen bis zu der Länge, in welcher er den elektrischen Strom durch den mit seiner Länge zunehmenden Leitungswiderstand so weit schwächt, dass die Anziehung der Spule R dem entgegenwirkenden Gewichte P das Gleichgewicht hält. Durch die Thätigkeit der Lampe wird also im Allgemeinen zunächst nicht eine bestimmte Bogenlänge, sondern nur unter Veränderung des Widerstandes des Bogens eine bestimmte Stromstärke hergestellt. Eine sich gleichbleibende Bogenlänge, wie sie zur Erzielung eines brauchbaren elektrischen Lichtes nöthig ist, wird dabei nur dann erzielt, wenn die betreffende Stromstärke auch immer bei dem gleichen Widerstände des Lichtbogens eintritt, d.h., wenn die elektromotorische Kraft der Stromquelle und die übrigen Widerstände und sonstigen Vorgänge im Stromkreise constant sind. Aus diesem Grunde können auch nicht mehrere solcher elektrischer Lampen in einen Stromkreis oder parallel zu einander eingeschaltet werden.

In der neuen Differentiallampe ist das Gewicht P durch eine zweite mit feinem Drahte und vielen Umwindungen bewickelte Spule T (Fig. 2) ersetzt, welche auf eine Verlängerung des Stabes S in entgegengesetztem Sinne wirkt und welche in eine Abzweigung zwischen den beiden Aussenklemmen der Lampe eingeschaltet ist. Da das bewegliche System durchaus äquilibrirt ist, so erfolgt nunmehr die Regulirung des Lichtbogens durch die alleinige Differentialwirkung der elektrischen Ströme in den beiden Spulen. Es bildet sonach die dünndrähtige Spule T eine Nebenschliessung von hohem Widerstände für den elektrischen Strom zu dem im Uebrigen nicht geänderten Stromweg der elektrischen Lampe und speciell auch zu dem Lichtbogen. Die Stromstärke in den beiden Stromzweigen ist nach einem bekannten Gesetze umgekehrt proportional den jeweiligen Widerständen in den beiden Zweigen.

Die Wirkungsweise ist folgende: Der eintretende elektrische Strom findet die Kohlenstäbe in beliebiger Stellung zu einander vor, z.B. weit getrennt.