Text-Bild-Ansicht Band 236

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Erfindung diese Einschaltung von mehreren Lampen in einen Stromkreis ermöglicht, weil jede Lampe, unabhängig von der anderen, ihren Lichtbogen auf einen genau gegebenen Widerstand und eine dadurch bestimmte Länge und Helligkeit einstellt. Es ist somit das Problem der sogenannten Theilung des elektrischen Lichtes unter Anwendung elektrischer Lampen mit Mechanik (Regulatoren) praktisch gelöst. Eben so, wie man demnach bei entsprechender Spannung der verwendeten Stromquelle (einerlei, ob sie gleichgerichtete oder Wechselströme liefert) mehrere Lampen in einen Kreis schalten kann, ist auch die Einschaltung von mehreren Lampen in verschiedene von derselben Stromquelle ausgehende Zweigleitungen oder parallel neben einander ermöglicht. Man kann sogar beide Methoden des Einschaltens gleichzeitig für die nämliche Stromquelle in Verbindung bringen und gewinnt dadurch die Möglichkeit, entsprechend den verschiedenen Stromstärken, in den verschiedenen Theilen des Netzes Lichter von verschiedener Stärke durch elektrische Lampen der vorbeschriebenen Art zu erzeugen.

Wenn bei dem Betriebe mehrerer Lampen in einem Stromkreise an einer Lampe die Kohlenstäbe abgebrannt sind, so würde zwar trotz der entstehenden Unterbrechung der Stromkreis noch durch die dünndrähtige Spule der betreffenden Lampe geschlossen bleiben, durch den grossen Widerstand derselben jedoch eine solche Schwächung erfahren, dass die übrigen Lampen des Stromkreises schlecht brennen würden. Es ist deshalb ein Contact angebracht, welcher beim Verlöschen einer Lampe diese sofort selbstthätig aus dem Stromkreis ausschliesst. Die eingehende Beschreibung dieses Contactes (welcher Gegenstand des Zusatzpatentes ist) würde hier zu weit führen.

Derjenige Theil des Stromes, welcher durch die Nebenschlussspule mit dünnem Drahte läuft, geht natürlich für die Lichtentwicklung verloren; doch ist dieser Verlust so ausserordentlich gering, dass er gänzlich unmerkbar wird und auch photometrisch nicht nachweisbar ist. Es wird dies um so begreiflicher, wenn man den kleinen Unterbrechungsfunken, welchen der nur schwache Strom in der Nebenschlussspule erzeugt, beobachtet und sich klar macht, dass höchstens nur dessen geringe Leuchtkraft dem elektrischen Lichtbogen verloren gehen kann. Dagegen wird durch die zweite Spule die Energie, mit welcher die Regulirung eintritt, wesentlich erhöht.

Zum Betriebe der Differentiallampen verwenden Siemens und Halske bis jetzt ihre neuen ursprünglich für den Betrieb Jablochkoff'scher Kerzen construirten Wechselstrom-Maschinen. Während es für die Kerzen nicht rathsam ist, mehr als vier derselben in einen Stromkreis zu legen, kann man die Differentiallampen in fast beliebiger Zahl hinter einander schalten. Die Grenze dafür liegt nur in der hohen Spannung, auf welche man die Stromquelle einrichten muss, und der daraus entstehenden Gefahr des Durchschlagens der Isolation in der Maschine. Doch werden jetzt schon 20 Lampen in einem Stromkreise betrieben, ohne dass irgend ein Nachtheil dabei hervorgetreten ist.

Wenn es gegenüber der Jablochkoff'schen Kerzenbeleuchtung, der einzigen, welche es bis jetzt zu einem ausgedehnten praktischen Erfolg gebracht hat, als Rückschritt erscheinen könnte, dass mit der Differentiallampe in jede Laterne wieder ein Mechanismus eingeführt ist, welcher durch die Kerze beseitigt war, so ist hervorzuheben, dass thatsächlich die Schwierigkeiten, welche bei der Kerzenbeleuchtung durch den Umstand hervorgerufen waren, dass die Kerze nur bei einer ganz bestimmten Stromstärke ordentlich brennt, – ganz abgesehen von der unvermeidlichen Gefahr des Erlöschens, wenn eine Kerze schlecht ist, oder die Stromstärke auch nur einen Moment um ein Geringes fällt, – sehr viel hoher anzuschlagen sind2)als die Bedenken, welche der Wiedereinführung eines übrigens sehr einfachen und gut arbeitenden

2)

Zur Bestätigung dessen sei auf einen längeren Rundschau-Artikel in dem Journale für Gasbeleuchtung (1880 S. 1) hingewiesen. Der Verfasser glaubt (a. a. O. S. 15), dass bei der eigentlichen Beleuchtung von geschlossenen Räumen eine Siemens'sche Differentiallampe 20 vertheilten Gasflammen, bezieh. einem Gasverbrauche von 2cbm,84 in der Stunde entspricht.

D. Ref.