Text-Bild-Ansicht Band 271

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100 bis 200m tief mit 12cm starken Röhren geglückt. Es sind dann in New Orleans mehrere andere nachgefolgt, und zwar durch zähe und lose Schichten hindurch, wie sie für Tiefbohrungen kaum schlimmer gedacht werden können. An einer Stelle ist es dort gelungen, eine 17cm,5 starke Verrohrung von 7500k Gewicht mittels einer Maschine von 6 152m,7 tief in 48 Stunden durchzutreiben, wobei die Schwierigkeiten mit der Tiefe nicht wesentlich wuchsen, und ein weiterer Fortgang nur wegen Mangels an passenden Röhren unterblieb. Es ist keine Frage, daſs man alles daran setzen muſs, um möglichst schnell durch solche klebrigen und haltlosen Schichten durchzukommen.

Eine Frage, welche innig mit der Diamantbohrung zusammenhängt, ist neuerdings in den Vordergrund des Interesses getreten. Es ist dies das Bestreben, die durch die Diamantbohrkrone geschnittenen Kerne über Tage in ihrer richtigen Stellung zu Orientiren, um das Streichen und Fallen der durchsunkenen Schichten danach ermessen zu können. Ich habe in D. p. J. 1888 270 163 über das Instrument des Engländers Herrn Percy Fry Kendall berichtet, welches mir diese Aufgabe am einfachsten und vollkommensten zu lösen scheint; doch möchte ich nicht versäumen, auf zwei sehr beachtenswerthe Erfindungen deutscher Landsleute in dieser Richtung aufmerksam zu machen.

Das erste dieser Instrumente ist von Köbrich nach einer Idee von Wolf construirt und bereits mehrfach mit vollem Erfolge benutzt. Die Beschreibung durch Herrn Köbrich findet sich in der Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen im preuſsischen Staate, 1888 S. 255.

Das Wesen des Apparates besteht darin, daſs sich unterhalb einer Rutschschere ein scharfer Meiſsel befindet, über derselben in einem geschützten Lager ein Kompaſs. Meiſselschneide und Mittagslinie des Kompaſs liegen in einer Senkrechtebene. Mittels der Rutschschere wird nun mit dem Meiſsel ein scharfer Schlag auf den oben geglätteten Kern im Bohrloche gegeben und abgewartet, bis ein mit dem Kompaſs in Verbindung gebrachtes Uhrwerk denselben arretirt haben muſs. Alsdann holt man den Apparat, dann den noch abzulösenden Bohrkern auf, und es erhellt, daſs die Abweichung der arretirten Magnetnadel von der Mittagslinie ebenfalls die Abweichung des Einstriches im Kerne von derselben Linie angeben muſs.

Der zweite Apparat wird vom Herrn Ingenieur Lubisch angegeben. Er besteht sehr einfach aus einer glatten, unten etwas zugeschärften Muffe, von etwas gröſserem Durchmesser als der erbohrte Kern, in deren Inneres ein Stahlstift von etwas gröſserer Länge, als der Unterschied zwischen den Durchmessern von Muffe und Bohrkern beträgt, hineinragt. Beim Ueberstülpen dieser Muffe über den auf der Bohrsohle aufstehenden Kern ritzt alsdann der Stahlstift einen senkrechten Strich in den Rand desselben. Durch sorgfältiges Zusammenschrauben des Gestänges, wobei die Verbindungsstellen mit feinen übergerissenen Strichen bezeichnet