Text-Bild-Ansicht Band 271

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werden, und möglichst gerades Einlassen desselben strebt man dahin, den Stahlstift möglichst in derselben Senkrechtebene zu erhalten. Nach dem Heben des Bohrkernes kann dann dem eingeritzten Striche am Rande dieselbe Orientirung gegeben werden, wie sie der Stahlstift beim Einlassen gehabt hat. Bei geringeren Tiefen arbeitet dieses Instrument ganz zufriedenstellend. Grundbedingung ist, daſs Reinheit der Bohrsohle und Glätte des Bohrkernes das Ueberstülpen der Muffe über den letzteren gestatten.

Von ausgeführten Tiefbohrungen ist die auf Place Hébert in Paris vollendete artesische Brunnenbohrung die bedeutendste. Diesseitige Angaben finden sich darüber in D. p. J. 1888 270 252.

In Bezug auf Verwendbarkeit von Diamantbohrmaschinen sind zwei lehrreiche Beispiele anzuführen, welche beweisen, daſs auch in unseren Gebirgen diese wirksamste aller Bohrvorrichtungen als ultima ratio die wesentlichsten Dienste leisten kann.

Von zwei Bohrlöchern, welche 1887 bei Kiedrich im Rheingau nach Mineralquellen abgeteuft waren, hatte bei dem einen der Stoſsbohrer in Tiefe von 68m,5 eine steil einfallende Quarzschicht nicht zu durchbrechen vermocht, war vielmehr stets seitlich abgelenkt und abgeschliffen worden. Es wurde dann im August 1888 die Hilfe der Diamantbohrung in Anspruch genommen, welche der Ingenieur Hugo Lubisch mit einer englischen Diamantbohrmaschine leistete. Herr Lubisch bohrte das ganze Bohrloch mit einem langen, genau passenden Kernrohre nach und brachte Kerne von mondsichelförmigem Durchschnitte zu Tage, wodurch sich die Abweichung des früheren Bohrloches von 19mm auf 1m ergab.

Auch die Bohrung des Herrn Fabrikanten A. Neubecker in Offenbach a. M., welche im Februar 1888 auf 275m Tiefe eine reiche Lithionquelle angeschlagen hat, ist mit Meiſsel und Wasserspülung ohne Freifall begonnen und langsam fortgeführt worden, bis das erreichte feste Gestein des Rothliegenden die Benutzung der Diamantbohrmaschine nahe legte, welche wohl allein das schwierige Gebirge bewältigen konnte.

Viele Fragen betreffs der Diamantbohrmethode wird übrigens der demnächst erscheinende III. Band der Tecklenburg'schen Tiefbohrkunde, welcher dieses Feld behandelt, lösen und dadurch den Stand der Tiefbohrtechnik wiederum um einen wesentlichen Schritt fördern.

Etienne's Riemengabel-Stellvorrichtung.

Mit Abbildungen auf Tafel 14.

Der Betriebsriemen wird von der Fest- auf die Losscheibe eines Deckenvorgeleges und umgekehrt mittels Vorrichtungen verlegt, die