Text-Bild-Ansicht Band 266

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mit verdünntem Chlorgas selbst bei sehr niederer Temperatur so schnell Chloratbildung eintritt, daſs nur Spuren Hypochlorit in der Lösung gefunden werden, scheint wenig für Hermite's Verfahren zu sprechen.

P. Naef.

Ueber den Einfluſs des Gaslichtes auf das rasche Vergilben der Holzschliffpapiere.; von Prof. Dr. Julius Wiesner.

Ich habe in dieser Zeitschrift1) das rasche Vergilben des Papieres erörtert und die Resultate meiner auf die Auffindung der Ursachen dieser unliebsamen Erscheinung abzielenden Versuche in Kürze mitgetheilt. Es wurde in meiner kleinen Abhandlung gezeigt, daſs bloſs solche Papiere dem raschen Vergilben unterliegen, welche noch aus verholzten Fasern bestehen, also vor Allem die Holzschliffpapiere, daſs diese Art der Vergilbung im Wesentlichen ein durch das Licht hervorgerufener Oxydationsprozeſs ist und daſs sich hierbei in erster Linie die stark brechbaren Strahlen des Lichtes betheiligen.

Der letztere Umstand macht es begreiflich, warum das gewöhnliche an stark brechbaren Strahlen so arme Gaslicht die Holzschliffpapiere fast gar nicht beeinfluſst, hingegen das elektrische Bogenlicht, wie überhaupt alle jene Lichtquellen, welche viel stark brechbares Licht aussenden, derartige Papiere gefährden müssen.

Meine Mittheilungen hatten sich einer recht weiten Verbreitung durch andere Journale zu erfreuen, wurden auch vielfach discutirt2); aber wenn auch die von mir aufgefundenen Thatsachen – so viel mir bekannt – allseitige Anerkennung fanden, so wurde doch von mehreren leiten hervorgehoben, daſs das Gaslicht, trotz der von mir hervorgehobenen Vortheile, anderweitige ungünstige Wirkungen auf das Papier ausüben, ja selbst zur raschen Vergilbung des Papieres Veranlassung geben soll und aus diesen Gründen zur Beleuchtung in Bibliotheken nicht zu empfehlen sei.

Ich fühle mich nun keineswegs competent, zu beurtheilen, welche Beleuchtungsart sich für Bibliotheken am meisten empfehle, sondern will bloſs einige Versuche mittheilen, welche, wie meine früheren, von Seite der Verwaltung einiger groſsen Staatsbibliotheken angeregt, den Zweck hatten, zu prüfen, inwieweit das Gas als solches und die Strahlung der Gasflamme die Färbung des Papieres beeinflussen.

Daſs dieser Einfluſs gegenüber dem Holzschliffpapiere kein groſser sein kann, geht eigentlich schon aus meinen früher mitgetheilten Untersuchungen

1)

1886 261 386 ff.

2)

Von besonderem Interesse ist C. Wurster's Mittheilung, nach welcher die in der rohren Holzſaser vorhandenen Substanzen eine Activirung des Sauerstoffes hervorrufen, in Folge dessen die Vergilbung des Papieres sich einstellt. (Berichte der chemischen Gesellschaft, 1886 Bd. 2 S. 3217.)