Text-Bild-Ansicht Band 266

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hervor. Dieselben lehrten, daſs ein Holzschliffpapier in der Entfernung von 0m,75 von einer Gasflamme (Leuchtkraft = 8 Normalkerzen) aufgestellt, nach viermonatlicher Tag und Nacht währender Beleuchtung nur so weit vergilbt wie im Sonnenlichte nach zwei Stunden.

Der betreffende Versuch wurde in einem einfenstrigen Dunkelzimmer durchgeführt, welches keine Ventilation besitzt, in welchem mithin nur ein sehr langsamer Abzug der Verbrennungsproducte stattfinden konnte. Würden die letzteren das Vergilben stark begünstigen, so hätte dies der Versuch zu erkennen gegeben. Ich entschloſs mich aber trotzdem zur Durchführung besonderer Versuche, die übrigens nicht nur den Zweck hatten, zu zeigen, wie die Verbrennungsproducte des Gases auf das Papier wirken, sondern die auch noch lehren sollten, ob das Leuchtgas als solches, welches wohl in kleinen Mengen in allen Räumen sich vorfinden wird, welche mit Gas beleuchtet sind, zur Vergilbung etwas beiträgt, ferner wie weit die durch die Gasbeleuchtung stattfindende Erwärmung des Papieres beim Vergilbungsprozesse sich bemerklich macht.

Zu den im Nachfolgenden mitgetheilten Versuchen diente, so weit sie Holzschliffpapiere betreffen, das Papier des „Neuen Wiener Tagblattes“. Als Holzstoff freies Versuchsobject diente schwedisches Filterpapier.

1) Am 27. Oktober 1886 wurden Holzpapiere der continuirlichen Einwirkung von Leuchtgas bis zum 22. Juni 1887 ausgesetzt, also durch mehr als 5400 Stunden, ohne daſs bezüglich der Färbung ein Einfluſs bemerklich geworden wäre. Die Versuchsanstellung war die folgende: Papierstreifen von 1cm Breite und 8cm Länge wurden in Eprouvetten eingeführt und am geschlossenen Ende angeklebt. Die so adjustirten Eprouvetten wurden mit Quecksilber gefüllt und in einer pneumatischen Wanne aufgestellt. Hierauf wurde Leuchtgas in die Gefäſse eingeleitet; in einzelnen Eprouvetten gewöhnliches Leuchtgas, in anderen solches mit etwa ⅓at Luft gemengt. Die Gefäſse blieben, mit Quecksilber abgesperrt, während der ganzen Versuchszeit in der Dunkelkammer, woselbst sich die Temperatur nie über 21° erhob. Nach Abschluſs des Versuches wurden die Papierstreifen herausgenommen und mit dem vorsichtigst aufgehobenen Probepapier verglichen. Aus diesen Versuchen folgt, daſs die im gewöhnlichen Leuchtgase vorkommenden Gase, sowohl als solche, als auch bei Gegenwart von reichlichen Mengen von Sauerstoff das Holzstoffpapier bezüglich der Färbung gar nicht beeinflussen.

2) In einem geschlossenen chemischen Herde, dessen Ventilation so weit verringert wurde, daſs die darin brennende Gasflamme (Schmetterlingsflamme) mit merklich abgeschwächter Leuchtkraft brannte, wurden Papierstreifen (theils von Holzschliff-, theils von Filterpapieren) gebracht, welche wohl der Einwirkung der Verbrennungsproducte, nicht aber der Strahlung der Flamme ausgesetzt waren. Ich stellte nämlich in dem Herde einen offenen Zinkcylinder so auf, daſs die am Grunde