Text-Bild-Ansicht Band 266

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Während man die Bildung der Rosaniline und der secundär entstehenden Phosphine in der oben ausgeführten Weise deuten muſs, so ist es schwer, sich Vorstellungen über die Bildungsweise der Indulin artigen Farbstoffe zu machen. Am besten gelingt dies noch, wenn man ihrer Entstehung analoge Vorgänge zu Grunde legt, wie der Rosanilin- bezieh. Phosphinbildung. Man gelangt dann für die einfachsten Glieder der Reihe zu folgenden Formeln:

Textabbildung Bd. 266, S. 458

entsprechend dem Chrysanilin und dessen Zwischenproduct

Textabbildung Bd. 266, S. 458

Geschichtliches.

Wenige Monate nach der Aufsehen erregenden Entdeckung Emanuel Verguin's fanden der englische Arzt H. Medlock und der Chemiker Edward Chambers Nicholson fast gleichzeitig und unabhängig von einander ein Verfahren zur Herstellung von Fuchsin durch Erhitzen von arsensaurem Anilin. Dieses Verfahren, das in England zum ersten Male von Medlock2) am 18. und von Nicholson am 26. Januar 1860 zum Patent angemeldet wurde, erhielt Ersterer patentirt. Nach der Medlock'schen Patentvorschrift3) erzeugt man das Fuchsin durch Mischen von 2 Th. Anilin mit 1 Th. wasserfreier Arsensäure und Erhitzen zum Sieden, welches so lange fortgesetzt wird, bis das Gemisch satte Purpurfarbe annimmt. In Frankreich wurde dasselbe Verfahren den französischen Chemikern Charles Girard und Georges de Laire4) am 1. Mai 1860 patentirt. Die Genannten geben in ihrem Patente ein ausführlich beschriebenes Verfahren zur Herstellung der Schmelze an. Danach bringt man in einen Destillirapparat 12 Th. Arsensäureanhydrid und 12 Th. Wasser. Sobald die Säure sich hydratisirt hat, setzt man unter Umrühren 10 Th. Anilin zu. Das Gemenge wird in Folge der Bildung von arsensaurem Anilin fest. Darauf erwärmt man behutsam. Die Masse wird wieder flüssig und es beginnt Wasser zu verdampfen. Bei einer Temperatur von 120°, die nicht höher als 160° steigen darf, geht das Anilin in den rothen Farbstoff über. Nach 4 bis 5stündiger Einwirkung erhält man eine

2)

1860 158 146.

3)

Traité des derivês de la Houille 1873 p. Girard et de Laire, 1873 S. 554.

4)

1861 159 229 und 452.