Text-Bild-Ansicht Band 266

Bild:
<< vorherige Seite

unter 100° flüssige Masse, die beim Erkalten hart und spröde wird und Bronzeglanz besitzt. Bald nach der Entdeckung von Girard und de Loire erfolgte die Ausbeutung der Erfindung in der Fabrik der Herren Rénard frères und Franc in Lyon. Wie Adolf Wurtz5) im J. 1862 mittheilt, stellte man in der genannten Fabrik die Schmelze wie folgt dar: Man erhitzt in einem im Luftbade sitzenden guſseisernen Kessel ein Gemenge von 15k Anilin und 25k Arsensäure von 76 Proc. As2O5-Gehalt während 3 bis 4 Stunden auf 150 bis 170°. Von Zeit zu Zeit entnimmt man der Reactionsmasse mit einem Stabe eine Probe. Sobald dieselbe beim Erkalten erstarrt, Bronzeglanz und spröden Bruch besitzt, wird der Kessel entleert und die Masse erkalten gelassen.

Nur wenig Beachtung verdient ein im J. 1864 von D. Dawson6) genommenes Englisches Patent, nach welchem man das Fuchsin durch Erhitzen einer wässerigen Arsensäurelösung mit Anilin unter Druck erhält. Aehnliche Angaben wie A. Wurtz macht auch Max Reiman7) im J. 1865. Bald darauf, im J. 1867, ist der Arsensäureschmelzprozeſs in der Weise, wie er heute noch ausgeführt wird von A. W. Hofmann, Ch. Girard und G. de Laire8) beschrieben worden. Spätere Mittheilungen von Charles Lauth9) (1867), Girard und de Laire10) (1873), A. Wurtz11) (1876) und Paul Schoop12) (1885) haben die ausführlicheren Mittheilungen der erstgenannten Forscher theils bestätigt, theils ergänzt. Die Zusammensetzung der die günstigsten Resultate gebenden Arsensäureanilinmischung haben schon Girard und de Laire in ihrem Patente Angegeben. Untersuchungen über diesen Gegenstand führte R. Brimeyr13) aus. Er kommt zur Ansicht, daſs man eine um so günstigere und schönere Ausbeute an Fuchsin erhält, je näher das Mischungsgewicht von Säure und Anilin dem Molekularverhältniſs 1 : 2 steht und je rascher die Operation zu Ende geführt wird. Die meisten der oben angeführten Fabrikationsvorschriften weisen in der That – wie Tabelle auf S. 460 oben zeigt – Mischungsgewichte auf, welche mit Brimeyr's Resultat in Einklang stehen.

Zur Ausführung der Arsenschmelze bediente man sich zu Anfang der Fabrikation guſseiserner Schmelzkessel von 50l Inhalt14), eine Gröſse, die man im J. 1861 für ungeheuer fand. Später führte man Kessel

5)

Rapports du Jury international de l'exposition de Londres de 1862 Bd. 1 S. 295.

6)

Chemical News, Bd. 9 S. 271.

7)

Technologie des Anilins von M. Reiman, 1866, S. 62.

8)

Rapports du Jury international de l'exposition universelle de Paris de 1867, Bd. 7 S. 241.

9)

Dictionnaire de Chimie p. Wurtz Bd. 1 S. 315.

10)

Traité des derivés de la Houille p. Girard et de Laire 1873 S. 555.

11)

Progrès de l'industrie des matières colorantes p. Wurtz, 1876 S. 52.

12)

1885 258 * 276.

13)

1866 179 395.

14)

Traité des derivés de la Houille p. Girard et de Laire, 1873 S. 555.