Text-Bild-Ansicht Band 266

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Wassers abgekühlt wird, um die während der Reaction sich entwickelnden Dämpfe zu condensiren. Das Destillat wird in einem Gefäſs D, das mit einem Ablaſshahn und einem Wasserstand versehen ist, aufgefangen. Ein an der Abfluſsſeite der Schmelzkessel etwa 25cm hoch aufgemauerter Raum E dient zur Aufnahme der heiſsen Schmelze und als Zerkleinerungsraum. Vor dem Anfeuern bezieh. während desselben wird der Schmelzkessel zunächst mit Anilinöl und Arsensäure beladen. 570k syrupförmige Arsensäure von 74° B. und 340k Rothöl von 1,008 spec. Gew. bei 15° werden gleichzeitig unter Umrühren einlaufen gelassen. Man erhält so ein Gemisch der Arseniate des Anilins, o- und p-Toluidins in Form einer weiſsen Gelatine, die schon bei mäſsiger Erwärmung schmilzt. Zur Einleitung der Reaction bezieh. Destillation wird die, während der ganzen Schmelzdauer in Bewegung gehaltene Mischung durch Unterhaltung eines schwachen Feuers vorsichtig und langsam auf etwa 120° erhitzt, um ein Ueberschäumen, das bei allzuschnellem Erhitzen leicht eintritt, zu verhindern. Ist diese Temperatur annähernd erreicht, so beginnt auch schon die Destillation und jetzt kann man die Hitze durch vermehrtes Heizen steigern, ein Uebersteigen des Kesselinhaltes ist nicht mehr zu befürchten.

Nach etwa 7stündigem Erhitzen der durch Umrühren in Bewegung gehaltenen Mischung kommt die Temperatur im Inneren des Kessels auf ungefähr 180°, von nun ab führt man den Prozeſs so, daſs die Temperatur nur noch langsam ansteigt, so daſs nach weiteren 2 Stunden diejenige Temperatur erhalten wird, bei der die Oxydation zu Ende geführt wird. Dieselbe ist 185 bis 189°. Sobald das Thermometer 184° anzeigt, werden dem Kessel von Zeit zu Zeit Proben entnommen, um das Ende des Prozesses zu erfahren und dasselbe mit der Kesselentleerung zusammenfallen zu lassen. Von diesem Abpassen des richtigen Augenblickes hängt sowohl die Ausbeute als auch die mehr oder weniger leichte Verarbeitbarkeit der Schmelze ab. Erhitzt man nämlich die Masse nicht lange genug, so wird eine zu dünne, klebrige Schmelze erhalten, die sich nicht allein schlecht verarbeiten läſst, sondern dazu noch schlechte Ausbeute ergibt, erhitzt man im Gegentheil zu lange, so wird die Schmelze zu dick, bleibt im Kessel stecken und läuft nicht mehr heraus. Sie muſs dann im Kessel erkalten gelassen und herausgebrochen19) werden. Zeigt die Probe das Ende des Prozesses an, so zieht man sogleich den Zapfen, behält aber das die Entleerung fördernde Rührwerk im Gang. Dem Kessel entströmt die cantharidenfarbige Schmelze als etwa 18cm dicker Strom, der sich in der ausgemauerten Vorlage E ausbreitet

19)

Diese harte Arbeit endet meist damit, daſs derjenige, der sie ausführt, sich eine Arsenvergiftung zuzieht, die zwar mit dem stets bereit liegenden Fuchs'schen Mittel schnell gehoben und ungefährlich gemacht wird. Man wird aber unter solchen Umständen unter einem die Fabrikation beeinträchtigenden Arbeiterwechsel zu leiden haben, da ein Arbeiter zum zweiten Male zu einer derartigen Arbeit nicht zu bewegen ist.