Text-Bild-Ansicht Band 266

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b) Phosphine:
Chrysanilin
Methylchrysanilin (Chrysotoluidin),
c) Induline:
Violanilin,
Mauvanilin,
d) Braune Farbstoffe,

4) Humusartige Substanzen von unbekannter Natur.

Die Bildung phenylirter Fuchsine, Phosphine und Induline wird eintreten, sobald aus Versehen mehr Anilin angewendet worden ist, als dem Verhältniſs 1 As2O5 auf 2 Mol. Anilin entspricht. Dann wird, sobald alle Arsensäure zu arseniger Säure reducirt ist, auch Phenylirung statthaben. In der That bemerkt man gegen das Ende der Reaktion stets eine Ammoniakentwickelung. Endlich kann die Menge der braunen Farbstoffe bedeutend gesteigert werden, wenn die zum Schmelzen vorgeschriebene Temperatur überschritten wird.

Die qualitative und quantitative Zusammensetzung der Schmelze hängt wesentlich auch von der qualitativen und quantitativen Zusammensetzung des Anilinöles ab. Seit Anfang der Fabrikation hatten die Fabrikanten die Wahrnehmung gemacht, daſs der Erfolg ihres Betriebes wesentlich von der Natur des Anilins, welches sie in Reaction brachten, abhängig sei, jedoch ohne sich über die Ursachen, denen man den Grund dieser Erscheinung zuschreiben muſste, genauere Rechenschaft abzulegen. Sie constatirten wohl das Vorhandensein einer gewissen Beziehung zwischen den Siedepunkten des angewendeten Anilinöles und der Ausbeute an Farbstoff, aber damit hörte alle ihre Wissenschaft auf. Sie beschränkten sich bei der Werthbestimmung des Anilinöles darauf, dasselbe zu destilliren und verwendeten zur Fabrikation nur solche Oele, die verglichen mit einem Type, d.h. mit einem Oele, das gute Resultate gab, ungefähr in denselben Temperaturgrenzen überdestillirte. Die Epoche machenden Arbeiten A. W. Hoffmann's20) über das Rosanilin, die Ermittelung seiner Zusammensetzung und namentlich die Mittheilung der überraschenden Thatsache21), daſs diese Base keineswegs, wie man bis dahin annahm, ein Derivat des reinen Anilins sei, sondern seinen Ursprung der Gegenwart einer gewissen, im Anilinöl enthaltenen Menge Toluidin verdanke, gaben den Schlüssel zur Ausarbeitung eines auf rein empirischem Wege gefundenen Verfahrens. Die Hoffmann'sche Rothbildungstheorie und die Erfahrung, daſs die Ausbeute und Qualität der Schmelze wesentlich von dem Verhältniſs, in dem sich Anilin und Toluidin im Handelsanilin vorfinden, abhängt, lieſs die Herstellung des Rothöles durch Mischen der Bestandtheile wünschenswerth und dringend erscheinen, denn nur mit einem Oele von bekannter Zusammensetzung

20)

A. W. Hofmann, Compt. rend. Bd. 54 S. 428.

21)

1863 169 374 und 376.