Text-Bild-Ansicht Band 266

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entging man allen Eventualitäten, denen man beim Arbeiten mit einem unbekannten Stoffe, wie ihn das frühere Handelsanilin darstellte, ausgesetzt war. Man verdankt namentlich Theodore Coupier22) den auſserordentlichen Erfolg, von welchem diese zeitgemäſsen Bestrebungen begleitet waren. Indem er sich auf die von A. W. Hofmann aufgestellte Theorie stützte, stellte er, um eine den theoretischen Anforderungen völlig entsprechende Oelmischung zu ermöglichen, diejenigen Basen in reinem Zustande dar, die zur Rosanilinbildung beitragen.

Dank der Einführung des Kolonnenapparates in die Kohlenwasserstoffrectification durch Coupier wurde die Trennung von Benzol und Toluol und also auch die Einzelnitrirung dieser Kohlenwasserstoffe technisch möglich, und nachdem Rosenstiehl23) das Handelstoluidin Coupier's in seine Componenten o- und p-Toluidin trennen gelehrt und auch eine Methode zu ihrer quantitativen Bestimmung24) angegeben hatte, war es erst möglich, das constante Verhältniſs zu entdecken, in welchem sich o- und p-Toluidin stets im technischen Toluidin vorfinden. Die von Rosenstiehl25) angeregten Versuche, welche der Fuchsintechniker mit Oelen ausführte, die er durch Mischen der 3 Componenten darstellte, ergaben die für den Schmelzprozeſs günstigste Anilinmischung, deren Zusammenstellung nunmehr auch jederzeit im Groſsen ausgeführt werden konnte. Nach einer Privatmittheilung, die der Verfasser Herrn Dr. Carl Häuſsermann in Griesheim a. M. verdankt, „hat das Rothöl in fast allen Fabriken, welche nach dem Arsensäureverfahren arbeiten, ein spec. Gew. von 1,008, es destillirt zwischen 190 bis 198° über und wird durch Mischen von 1 Th. Anilin, mit 2 Th. gewöhnlichem Toluidin erhalten. Da das fabrikmäſsig hergestellte Toluidin fast immer aus 36 Proc. p-Toluidin und etwa 64 Proc. o-Toluidin besteht, so ergibt sich als Zusammensetzung ein Gehalt von 33,3 Proc. Anilin, 24,0 Proc. p-Toluidin und 42,7 Proc. o-Toluidin.“ Thatsächlich erhält man auch durch Mischen dieser 3 Componenten in den angegebenen Verhältnissen ein mit dem gewöhnlichen Rothöl hinsichtlich Siedepunkt und spec. Gew. völlig übereinstimmendes Product.

Die genannten Zahlen stehen nun keineswegs in Einklang mit der Theorie, welche zur Herstellung des Rosanilins ein Oel von folgender Zusammensetzung fordert: 30 Proc. Anilin, 35 Proc. p-Toluidin und 35 Proc. o-Toluidin.

Eine Mischung dieser Zusammenstellung gibt aber eine allzu geringe Ausbeute an Fuchsin; um die Maximalausbeute zu erhalten, müssen weit gröſsere Mengen o-Toluidin in Anwendung gebracht werden, als

22)

Coupier, Bulletin de la société industrielle de Mulhouse, Bd. 36 S. 260 und 1866 181 385.

23)

1866 181 389.

24)

1872 204 326.

25)

1866 181 389.