Text-Bild-Ansicht Band 266

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die Theorie verlangt. Die Gegenwart eines gewissen Toluidinüberschusses auſser demjenigen Toluidin, welches zur Rosanilinbildung verwendet wird, scheint zur Erleichterung der Reaction beizutragen.

Von groſsem Einfluſs auf die qualitative und quantitative Zusammensetzung der Schmelze ist auch die Temperatur. Leider ist dieser Einfluſs bis heute nur ungenügend studirt worden. Es ist aber wahrscheinlich, daſs jeder der Farbstoffe, welche aus Anilin und den beiden Toluidinen unter dem Einfluſs der Arsensäure entstehen, sich nur bei einer gewissen Temperatur, die immer für denselben Körper dieselbe ist, entwickelt. Die Schwierigkeit der Bestimmung der Bildungspunkte der einzelnen Farbstoffe mag die Ursache sein, daſs dieselbe, trotz des Interesses, das man hat, sie zu kennen, nicht ausgeführt worden ist.

Nicht ohne Einfluſs ist die Temperatur auf die gebildeten Arsenite und Arseniate am Schluſse der Operation: die Endtemperatur. Unter 190° wird wohl keiner der in der Schmelze vorhandenen Farbstoffe sonderlich angegriffen werden, selbst nicht bei Gegenwart von überschüssiger Arsensäure. Ueber 190° aber erleiden alle diese Farbstoffe, insbesondere aber bei Gegenwart von Arsensäure, eine Zersetzung. So wird das Rosanilin schon durch Erhitzen mit Wasser auf 230° zersetzt und die Zersetzungsproducte sind im Allgemeinen ein mehr oder weniger gelbes Roth. Bei ungefähr 210° zersetzt sich das Rosanilin in ein unlösliches Violett. Andererseits erleiden Violanilin und Mauvanilin ähnliche Zersetzungen. Man muſs dieser doppelten Wirkung der hohen Temperatur und der Arsensäure auf die Farbstoffe die Bildung granatrother und brauner Farbstoffe zuschreiben. Daraus folgt, daſs man gegen das Ende der Operation die Temperatur mäſsigen und ein höheres Erhitzen als 190° vermeiden soll. Es ist eine jener Temperaturgrenzen, welche man, da sie nicht überschritten werden darf, kluger Weise auch nicht zu erreichen strebt. Im Allgemeinen ist zu bemerken, daſs eine höhere Temperatur die Dauer der Schmelzung abkürzt, das Gewicht des überdestillirenden Anilins vermehrt, das Gewicht der Rothschmelze aber vermindert. Eine zu niedere Temperatur verlängert die Dauer der Schmelze, vermehrt das Gewicht des nicht umgewandelten Anilins, das, da es in der Schmelze hinterbleibt, auch das Gewicht der letzteren, nicht aber die Ausbeute an Fuchsin erhöht.

II. Die Zerkleinerung der Schmelze.

Zu einer Zeit, als die Schmelze noch in offenen Bütten abgekocht wurde, war die vollständige Extraction des Farbstoffes nur möglich, wenn die Schmelze dem heiſsen Wasser in fein vertheiltem Zustande dargeboten wurde. Man bemühte sich daher, die Schmelze zu zerkleinern und nahm diese Arbeit in den ersten Anfängen der Fabrikation in Mörsern vor. Um die Arbeiter von dieser überaus schädlichen Beschäftigung zu befreien, wurden später Pulverisirapparate in den Fuchsinwerken