Text-Bild-Ansicht Band 266

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eingeführt. Da aber das Zerkleinern der Schmelze mit Störungen verknüpft ist, sie sich beim Mahlen hinreichend erwärmt, um theilweise zu erweichen und plastisch zu werden, so war die Beschaffung passender Mahlvorrichtungen sehr schwer. Andererseits konnte trotz der Anwendung geschlossener Mühlen die Verbreitung des giftigen Mehlstaubes in der Atmosphäre des Arbeitsraumes nicht verhindert werden. Seitdem jedoch die Schmelze in geschlossenen und mit Rührwerk versehenen Kesseln unter Druck abgekocht wird, hat man das trockene Mahlen der Schmelze aufgegeben und behielt das nasse Pulverisiren nur da bei, wo es sich um die Wiedergewinnung der im Ueberschuſs zugesetzten Arsensäure handelt. In diesem speciellen Falle wird, wie Schoop28) berichtet, die Schmelze in einem Kollergange unter Zusatz von Wasser zerrieben, Schlamm und verdünnte Arsensäure durch Filtration getrennt und letztere auf den Gebrauchsgrad eingedampft. Diese Zerkleinerungsoperation bezweckt aber nicht eine Vertheilung behufs erleichterter Extraction des Farbstoffes, sondern vielmehr die vollständige Aussüſsung von im Ueberschuſs verwendeter Arsensäure. Da man in der Mehrzahl der Fuchsinbetriebe nur so viel Arsensäure anwendet, als zur Oxydation des Anilins nöthig ist, so nimmt man von einer derartigen, etwas umständlichen Behandlungsweise Abstand und begnügt sich damit, die Schmelze mit einem Brecheisen in handgroſse Stücke zu zerstoſsen, eine Operation, welche rasch auszuführen ist, verhältniſsmäſsig geringes Stauben verursacht und dem Zwecke vollständig genügt. Als Schutzvorrichtung gegen den Arsenstaub wird den Arbeitern gewöhnlich das Umbinden eines Tuches um Mund und Nase anempfohlen. Es ist augenscheinlich, daſs sich ein solcher Schutz als ungenügend erweist. Der Staub, dessen man sich erwehren will, ist zerflieſslich, der Wasserdampf der Respiration verdichtet sich im Tuche, befeuchtet es nach und nach, macht den Staub anhaften und imprägnirt die Binde mit Gift, welches alsdann auf Gesicht und Lippen wirkt. Es können auf diese Weise eicht Vergiftungsfälle vorkommen, im günstigsten Falle haftet der Staub auf der Haut fest und zerfriſst sie unter Bildung schmerzhafter Geschwüre.

(Fortsetzung folgt.)

Ueber das Verhalten der salpetrigen zur schwefligen Säure.

Wir haben auf S. 276 d. Bd. eine Abhandlung F. Raschig's mitgetheilt, welche das Verhalten der salpetrigen zur schwefligen Säure in alkalischer Lösung zum Gegenstand hat und an deren Schlüsse Betrachtungen über die Constitution der Amidophenolsulfosäure und der Chloramidophenolsulfosäure von Schmitt und Bennewitz bezieh. Kolrepp angestellt sind. Diese letzteren Anschauungen Raschig's haben insofern Widerspruch erfahren, als R. Hirsch in einer Abhandlung: Ueber Chlorstickstoffabkömmlinge

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1885 258 * 276.