Text-Bild-Ansicht Band 264

Bild:
<< vorherige Seite

nimmt man eine Einwage von etwa 0g,5. Da diese Erze gewöhnlich durch Salzsäure nicht vollständig zersetzt werden, so wird der Rückstand hierbei für sich mit kohlensaurem Natronkali aufgeschlossen, die Lösung der Schmelze mit Salzsäure übersättigt und nach vollständiger Auflösung des braunen Rückstandes mit der erst erhaltenen salzsauren Lösung vereinigt und wie vorher titrirt. Es unterliegt keinem Anstände, auch unmittelbar das abgewogene Erz aufzuschlieſsen.

Die Fabrikation des Methylviolett; von Dr. Otto Mühlhäuser.

Der Entdecker des Methylviolett ist Ch. Lauth, der im J. 1860 das Methylanilin der Einwirkung solcher Oxydationsmittel unterwarf (vgl. 1861 159 451), welche technisches Anilinöl in Rosanilin überführten. Lauth gelangte bei seinen Untersuchungen zu einem violetten Farbstoffe, hielt jedoch die Fortsetzung seiner Versuche nicht lohnend, da ihm die Lichtbeständigkeit seiner Farbstoffe – im Vergleiche zu derjenigen der damals fast allein in Verwendung kommenden natürlichen Farbstoffe – zu gering erschien.

Bald nach Lauth's Entdeckung gelang es A. W. Hofmann, technisches Kosanilin durch Methylirung in Violett überzuführen (vgl. 1864 172 306). Das nach Hofmanns Methode hergestellte Violett kam bald darauf in den Handel. Diese Thatsache mag wohl Lauth bewogen haben, seine früheren Versuche wieder aufzunehmen, deren Ausführung durch die erfolgte technische Herstellung des Methylanilins durch Bardy wesentlich gefördert wurde. Lautes Versuche endigten mit der Einführung der Violettfabrikation in der Farbenfabrik von Poirrier und Chappat in St. Denis, welches Haus lange Zeit allein das Violett erzeugte und als „Violet de Paris“ in den Handel brachte.

Nach der von Lauth in Vorschlag gebrachten Methode erhält man das Violett durch Oxydation des mit Sand verdünnten und so in möglichst groſser Oberfläche dargebotenen Methylanilins durch ein Kupfersalz1) bei Gegenwart von Salpetersäure, Die mit Schaufeln gemischten Stoffe wurden in Formen gepreſst und die so erhaltenen Brode bei einer mäſsigen Temperatur in der Trockenkammer oxydirt. Die fertig gebackenen, bronzegelben Brode wurden entsalzt und die zurückbleibende Kupferviolettverbindung mit Schwefelnatrium zersetzt. Durch Filtration, Aufnahme des Rückstandes in verdünnter Salzsäure und Filtration wurde eine Farbstofflösung erhalten, aus welcher man den Farbstoff mit Kochsalz abscheiden und gewinnen konnte.

In der Folge ersetzte man die Salpetersäure durch chlorsaures Kali (Durand und Girard), dann durch Essigsäure (Bindschedler und Busch), den lästigen Sand aber durch Kochsalz. Im Uebrigen blieb die Fabrikation dieselbe; man mengte die Materialien mit der Hand, d.h. eben

1)

Das Kupferchlorid wurde von Caro und Dale in die Farbentechnik als Oxydationsmittel eingeführt.